Forscher entwickeln Tarnkappe:Harry-Potter-Technologie

Karlsruher Wissenschaftler haben einen Tarnumhang geschneidert. Er bringt darunter liegende Gegenstände zum Verschwinden - allerdings mit einer Voraussetzung.

Karlsruher Forscher haben einen winzigen Tarnumhang geschneidert: Der Mantel besteht aus einer Kristallstruktur, die Licht umlenkt und so das Objekt darunter scheinbar verschwinden lässt, wie das US-Wissenschaftsmagazin Science am Donnerstag online berichtete.

Das Forscherteam des Karlsruher Instituts für Technologie ließ zwar nur ein winziges Objekt von einem Mikrometer Höhe verschwinden, so dass Harry Potter davon nicht hätte profitieren können. "Aber im Prinzip gibt es keine Obergrenze für das Design", erklärte Tolga Ergin. Allerdings sei es mit der Technologie zu aufwendig, ein größeres Objekt verschwinden zu lassen.

"Wir können jetzt ein dreidimensionales Objekt verstecken, indem wir es unter einem 'spiegelnden Teppich' platzieren und den entstehenden Hubbel unsichtbar machen", sagte der Forscher Nicolas Stenger. In einjähriger Forschung entwickelte das Team um den Physiker Martin Wegener die Tarnkappe, die aus Polymerstäben im Abstand von einigen hundert Nanometern besteht. Die Struktur lässt den Spiegel-Teppich wieder flach erscheinen, sagte Ergin.

Für den Bau einer Tarnkappe sind sogenannte Metamaterialien notwendig, mit deren Hilfe die Lichtwellen in ihrer Ausbreitung beeinflusst werden und auf neue Bahnen gelenkt werden können. In der Natur kommen diese Materialien nicht vor, sie lassen sich aber künstlich herstellen.

Bereits vor vier Jahren hatten Wissenschaftler aus den USA und Großbritannien ein erstes Unsichtbarkeits-Konstrukt vorgestellt: Sie hatten einen zwölf Zentimeter messenden Ring aus mehreren Lagen Kupferdraht und Glasfaserfolien konstruiert, der auftreffende Mikrowellenstrahlung um sich herumführte - und im Schnittbild so aussah, als sei er gar nicht vorhanden.

Die Technologie funktionierte allerdings nur zweidimensional und weitab von optischen Wellenlängen. "Wir hatten in Karlsruhe die technischen Möglichkeiten, die Theorie in drei Dimensionen umzusetzen und eine frei stehende Struktur zu erzeugen", sagte Stenger.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB