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Forensik:Sechs Hautzellen reichen für ein DNS-Profil

Die DNS gehörte der Mitarbeiterin eines süddeutschen Laborartikelherstellers, die jene Wattestäbchen verpackt hatte, mit der die Beamten DNS-Spuren sichern. Grundsätzlich steht der genetische Fingerabdruck als Instrument der Ermittler damit zwar nicht infrage. Schließlich konnten mithilfe der DNS-Datei des BKA seit 1998 schätzungsweise 60.000 Straftaten aufgeklärt werden, darunter auch mehr als 20 Jahre zurückliegende Morde.

Doch der Rechtsmediziner Bernd Brinkmann kritisiert den Umgang mit der Methode: Man habe der Technik zu sehr vertraut, die Widersprüche zwischen Ermittlungen und Laborbefunden zu wenig an sich herankommen lassen. Ob Spheron-Bilder oder genetische Fingerabdrücke: Den wachen Verstand des Menschen kann keine Technik ersetzen, allenfalls ergänzen - dies aber gerade im Fall der DNS-Profile immer einfacher und exakter: Vor wenigen Jahren hatten Wissenschaftler noch ganze Blutstropfen oder Hautfetzen benötigt, heute reichen im Idealfall sechs Hautzellen für ein DNS-Profil. So viel bleibt beispielsweise beim Drücken eines Lichtschalters haften.

Und in Zukunft können diese sechs Zellen sogar etwas über das Aussehen des möglichen Täters verraten. In Deutschland dürfen Kriminalgenetiker aus Datenschutzgründen DNS-Abschnitte mit Informationen zu Aussehen oder Krankheiten nicht nutzen. "Man kann aber mehr erfahren", sagt der deutsche Genetiker Manfred Kayser, der an der Universität Rotterdam nach äußeren Merkmalen in der DNS von Verdächtigen sucht: "Mit einer Genauigkeit von mehr als 90 Prozent können wir braune und blaue Augen vorhersagen."

In den nächsten Jahren will er Methoden zum Ablesen von Haar-, Hautfarbe und Körpergröße entwickeln. Die neuen Methoden sollen einmal bei Fahndungen die Gruppe der Verdächtigen verkleinern helfen. Den Täter aufspüren und festnehmen - das müssen auch in Zukunft die Menschen erledigen, ohne Hightech.

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