Forensik Wenn Navigationsgeräte auspacken

Der Verdacht bestätigte sich und erhöhte den Druck auf die Täterinnen, die daraufhin gestanden: Die zwei älteren Töchter aus der ersten Ehe der Irin hatten den Mann im Streit getötet und ihn anschließend zerstückelt. Die Isotopenanalyse ist nur eines der vielen Felder, auf denen auch im kriminaltechnischen Institut des Bundeskriminalamts (BKA) geforscht wird. Fast 300 Spezialisten aus 60 Berufsfeldern arbeiten in Deutschlands Zentrum der forensischen Wissenschaft.

Chemiker, die mithilfe von Röntgenstrahlen die Zusammensetzung von Sprengstoffen bestimmen, Pyro-Experten, die Hausbrände am Computer simulieren, Informationstechniker, die helfen, Chipkartenbetrügern das Handwerk zu legen. Anders als bei Herkunftsanalysen anhand von Isotopen können Ganoven in vielen Bereichen selbst aufrüsten und dagegenhalten. Sie liefern sich mit den Kriminaltechnikern wahre Wettläufe - vor allem dort, wo es um neuere Techniken und Technologien geht.

So hatten die BKA-Forscher in den Siebzigerjahren Methoden entwickelt, um die Schreibmaschinen der RAF zu identifizieren. Dann stiegen die Terroristen auf Kopierer um. Das BKA entwickelte Verfahren, um auch diese Geräte zu identifizieren. Später beschäftigte man sich mit Farbkopierern.

Diesen Wettlauf zwischen Gut und Böse kann man im BKA-Labor "KT 52" beobachten. An einem Tisch beugt sich Ingenieur Jürgen Frinken über ein Mikroskop, unter der Linse liegt ein Mikrochip, groß wie zwei Stecknadelköpfe. Die Leiterbahnen sind dünner als ein Haar. Durch das Vergrößerungsgerät sehen sie aus wie futuristische Straßen. Schon vor neun Jahren analysierte man hier manipulierte Telefonkarten, deren Guthaben nie abläuft.

In den vergangenen Monaten waren es vor allem elektronische Spione, mit denen Banden an Geldautomaten EC-Karten ausspähen. Und als vor drei Jahren bundesweit und systematisch fest eingebaute Navigationsgeräte aus Autos geklaut wurden, halfen die Männer von KT 52, sie ihren Besitzern zuzuordnen. Damals hatte das BKA bei eBay einen Händler aus dem Ruhrgebiet beobachtet, der immer wieder gebrauchte Geräte inserierte. Ermittler kauften ihm verdeckt zwei Apparate ab und brachten sie ins Labor. Frinken lötete winzige Chips von ihren Platinen und las die gespeicherten Daten mit Spezialgeräten aus. "Die Navis haben regelrecht geplappert", sagt er.

Die Geräte enthielten noch ihren letzten Standort vor dem Diebstahl. Außerdem entzifferte Frinken die Fahrzeugnummer des ursprünglichen Autos und weitere Daten, über die er nicht spricht. Denn Kriminelle sollen nicht erfahren, was das BKA alles kann.

Ohnehin vermuten die Kriminaltechniker auch auf der anderen Seite begnadete Ingenieure: "Die könnten in der Industrie eine Menge Geld verdienen", sagt Ralf Kricsanowits, der den Fachbereich leitet. Die Kriminaltechnik wird immer komplexer, fortschrittlicher und genauer.

Unbemerkte Pannen können aber auch zu fatalen Fehlschlüssen führen, wie im März dieses Jahres, als sich die Jagd der Kriminalbehörden nach der sogenannten "Phantom- Mörderin" in Luft auflöste: Zwei Jahre lang hatte die Heilbronner Soko "Parkplatz" nach einer unbekannten weiblichen Person gesucht. Deren DNS war an 40 verschiedenen Tatorten aufgetaucht und sie wurde mit unterschiedlichsten Verbrechen wie dem Mord an der Heilbronner Polizistin Michèle Kiesewetter und dilettantischen Einbrüchen in Verbindung gebracht. Im März dann stellte sich heraus: Die Spurensicherer hatten mit zu unsauberen Materialien gearbeitet.