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Biologie:Fische auf Klettertour

Dieser blinde Höhlenfisch kann laufen - auch wenn es eher einem Robben gleichkommt.

(Foto: Florida Museum)

Mehr Fischarten als gedacht können sich wohl an Land fortbewegen. Das legen zumindest die Ergebnisse einer neuen Studie nahe.

Von Carina Seeburg

Wenn der blinde Höhlenfisch Cryptotora thamicola das Wasser verlässt, robbt er mit salamanderartigem Wackeln unter Wasserfällen empor und an Felsen entlang. Erstmals beobachtet wurde die bemerkenswerte Kletterfähigkeit des seltenen Fischs 2016 in einer Höhle in Thailand. Jetzt legt eine neue Studie nahe, dass womöglich zehn weitere Fischarten die Fähigkeit haben, an Land zu gehen.

Hybride Lebewesen wie dieser kletternde Höhlenfisch haben eine Schlüsselrolle in der Entwicklung von Leben auf der Erde gespielt. Durch ihre Erforschung und die Bestimmung, welche Fischarten über die Voraussetzungen zu gehen verfügen, hoffen Wissenschaftler daher, mehr über den evolutionären Übergang von Flossen zu Gliedmaßen zu erfahren und besser zu verstehen, wie die ersten Wirbeltiere das Wasser verließen, um an Land zu leben.

"Fische haben normalerweise keine Verbindung zwischen Wirbelsäule und Beckenflosse", sagt der Biologe Zachary Randall vom Florida Museum of Natural History und Mitautor der Studie im Journal of Morphology. Beim Höhlenfisch Cryptotora thamicola sei das anders. Vergrößerte Rippen und stabilisierende Muskelansätze ermöglichen ihm die Fortbewegung über Land: eine wichtige Anpassung für das Überleben in Höhlenbecken mit schwankenden Wasserständen und schnell fließenden Strömen. Und eine Anatomie, die man bislang für einmalig hielt. Mit jener von Flösselhechten, Wanderwels oder Kletterbarsch, die sich ebenfalls an Land fortbewegen können, ist sie nicht vergleichbar, denn der Höhlenfisch besitzt Merkmale, die bislang nur Landwirbeltieren zugeschrieben wurden.

In der Studie analysierte ein Forscherteam des Florida Museum of Natural History, des New Jersey Insitute of Technology, der Louisiana State University und der Maejo University in Thailand die Knochenstruktur von 29 verschiedenen Arten aus der Gruppe der Schmerlen und stellte dabei fest, dass zehn Schmerlenarten den ungewöhnlich kräftigen Beckengürtel des Höhlenfischs Cryptotora thamicola teilen.

Das Team verwendete eine Kombination aus DNA-Analyse und Computertomographie (CT), um die Evolutionsgeschichte der Familie der Bergschmerlen zu verfolgen und zu analysieren, wie die Beckenformen in diesen Fischen sich im Lauf der Zeit entwickelt haben. Dabei stellten die Forscher fest, dass eine robuste Beckenregion vermutlich genetisch weitergegeben wurde und nicht aus einem einzigen Ursprung stammte, sondern mehrmals in der Familie der Bergschmerlen auftrat.

Diese Erkenntnisse seien für die Wissenschaft von großem Wert, sagt Lawrence Page, Kurator für Fische und Mitarbeiter des Florida Museum: "Das Ergebnis ist ein stark verbessertes Verständnis der Evolution eines äußerst ungewöhnlichen Ereignisses - der Fähigkeit eines Fisches, an Land zu gehen."

© SZ

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