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Feinstaub-Hauptstadt Stuttgart:Gefährliches Spiel

Stuttgart, Neckartor

Deutschlands schmutzigste Straße: das Neckartor in Stuttgart.

(Foto: dpa/picture-alliance)

Was tun? Das Stuttgarter Regierungspräsidium, die in Baden-Württemberg für die Feinstaub-Thematik verantwortliche Behörde, ist vorsichtig geworden. Sollte die Zahl der Überschreitungstage in der Gegend von 2011, also 89 (Zur Erinnnerung: Zulässig sind 35.) liegen, wäre das schon ein Erfolg, sagt ein Sprecher. Für die Zukunft sieht das Regierungspräsidium noch die Möglichkeit, die Geschwindigkeitsbegrenzungen am Neckartor weiter zu verschärfen, auf 40 km/h. 30 km/h, wie Anwohner-Anwalt Kugler fordert, lehnt der Sprecher ab. Da würde sich der Verkehr - und damit auch der Feinstaub - nur in die umliegenden Wohngebiete verlagern.

Eine andere Idee wäre, die Stuttgarter Umweltzone auf umliegende Städte auszuweiten. Doch der Sprecher des Regierungspräsidiums gibt zu: "Das alleine wird nicht reichen." Die von der EU vorgeschriebene Zahl von 35 Überschreitungstagen ließe sich mit der Kombination aus Umweltzone und Tempolimits wohl nicht einhalten.

Die Behörde hofft deshalb, dass die Umrüstung auf Autos mit geringerem Schadstoffausstoß so schnell vonstattengeht, dass sich das Feinstaub-Problem in Stuttgart irgendwann von alleine löst. Die Anwohner um Anwalt Kugler hoffen, dass der Bund die Voraussetzungen für eine Citymaut schafft. Jeder hofft. Die Maßnahmen greifen nicht, wie sie müssten - und die Feinstaubwerte werden wohl auch in den kommenden Jahren über dem EU-Grenzwert liegen.

Ein gefährliches Spiel ist das. Denn aus dem Regierungspräsidium heißt es auch, die Fristverlängerung für die Einhaltung der Feinstaub-Grenzwerte sei inzwischen ausgelaufen. Theoretisch könnte demnächst also eine Klage der EU-Kommission eingehen.

Wie hoch die Feinstaubbelastung in Deutschland ist und welche Regionen wann besonders betroffen sind, sehen Sie in unserer interaktiven Fakten-Karte.

© Süddeutsche.de/luk
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