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Feinstaub-Hauptstadt Stuttgart:Die Visionen der OB-Kandidaten

Roland Kugler reicht das nicht. Der Anwalt saß früher für die Grünen im Stadtrat, heute ist er als Rechtsanwalt tätig und vertritt die Interessen mehrerer Neckartor-Anwohner, die vor Gericht gezogen sind, um für bessere Luftschutz-Maßnahmen zu kämpfen. Kugler schlägt vor, die Geschwindigkeit an der sensiblen Messstelle weiter zu reduzieren - und zwar auf 30 km/h an Tagen, an denen aufgrund der Witterungsbedingungen (siehe Details ...) hohe Feinstaubwerte zu erwarten sind.

Unstrittig ist, dass sich die Qualität der Stuttgarter Luft im Vergleich zu früheren Jahren verbessert hat. Doch das reicht nicht. Und was ist mit den anderen feinstaubbelasteten Stellen? Die Siemensstraße am Verkehrsknotenpunkt Pragsattel, die wichtige Strecke über die Hohenheimer Straße ins Zentrum, den Arnulf-Klett-Platz am Hauptbahnhof - auch hier sind die Werte regelmäßig zu hoch. Hilft am Ende nur eine radikale Lösung? Gar eine autofreie Innenstadt?

Diese Frage wird derzeit vor allem an 14 Männer und Frauen gestellt, die am 7. Oktober die Nachfolge von Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) antreten wollen. Und tatsächlich: Bei den aussichtsreichsten Kandidaten ist der Feinstaub eines der wichtigsten Wahlkampfthemen. Sie präsentieren auch alle Ideen - aber in der Regel bleiben diese im Ungefähren:

[] Sebastian Turner, der parteilose und von CDU, FDP und Freien Wählern unterstützte Kandidat, will eine "integrierte Verkehrsleitzentrale" installieren, die den Verkehr besser steuern soll.

[] Fritz Kuhn, der Kandidat der Grünen, setzt auf Tempolimits, Verbesserungen beim öffentlichen Nahverkehr und einer effektiveren Parkraumregelung, die im Grunde zur Folge hat, dass Auswärtige keine Gratis-Parkplätze mehr in der Innenstadt finden - und folglich auch keine mehr suchen.

[] Bettina Wilhelm, die Kandidatin der SPD, will wie Kuhn den Nahverkehr verbessern und dazu mehr Radwege, mehr Carsharing und mehr Elektroautos in der Stadt.

[] Nur Hannes Rockenbauch, der durch seinen Protest gegen das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 bekannt gewordene OB-Kandidat des Bündnisses Stuttgart Ökologisch Sozial (SÖS), nimmt das Wort "Citymaut" in den Mund, die einen "kostenlosen Nahverkehr" finanzieren könnte. Beachtenswert ist allerdings, dass der Satz mit den Worten "Mein Traum für Stuttgart ..." beginnt.

Und das ist aus gutem Grund so. Denn rechtlich gesehen könnte die Stadt Stuttgart eine Radikallösung wie die Citymaut gar nicht selbst einführen. "Das müsste der Bund in die Straßenverkehrsordnung schreiben", sagt Anwohner-Anwalt Roland Kugler. Und davon sei Berlin weit entfernt. "Der Bund lässt Land und Stadt im Regen stehen", klagt der Anwalt.

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