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Feenkreise:Die Sache mit den Kreisen

Feenkreise aus der Luft, aufgenommen über dem Küstenplateau südli; Feenkreise

Von unten kahlgefressen? Feenkreise in Süd-Angola.

(Foto: Norbert Jürgens/UHH)

Noch immer ist umstritten, wie die rätselhaften runden, kahlen Stellen am Rande der Namib-Wüste entstehen. Nun meinen Forscher: Nicht nur eine, sondern zwei Termitenarten sind am Werk.

Von Anja Garms, dpa

Nicht eine Termitenart, sondern zwei könnten die mysteriösen Feenkreise in der Namib-Wüste im südlichen Afrika entstehen lassen. Das berichtet ein Forscherteam um den Hamburger Wissenschaftler Norbert Jürgens im Fachmagazin Ecological Entomology. Die größeren kreisförmigen, kahlen Stellen im nördlichen Teil des Feenkreis-Gebietes würden von einer Art Erntetermiten hervorgerufen, die wissenschaftlich bisher nicht beschrieben ist.

Feenkreise sind vor allem aus Namibia bekannt. In den trockenen Graslandschaften am östlichen Rand der Namib sind die kahlen Stellen mit einem Durchmesser von 2 bis 35 Metern relativ gleichmäßig verteilt. Jeder Feenkreis hat üblicherweise sechs Nachbarn. Begrenzt werden die kahlen Flächen in der Regel von besonders üppig wachsenden Graskränzen.

Wissenschaftler rätseln seit Langem, wie die Kreise entstehen - ohne bisher eine allgemein akzeptierte Antwort gefunden zu haben. Jürgens von der Universität Hamburg ist der Ansicht, dass unterirdisch lebende Termiten rings um ihre Nester die Wurzeln der Gräser abfressen. Normalerweise verdunstet Wasser über die Oberflächen der Gräser. Ohne die Gräser verbleibe mehr Wasser im Boden, was für die Termiten überlebenswichtig sei, berichtete Jürgens 2013 im Fachmagazin Science. Er zeigte damals, dass unter den Feenkreisen eine höhere Bodenfeuchtigkeit messbar ist als unter den Grasflächen.

Auch andere Mechanismen könnten die Entstehung der Kreise erklären

Andere Wissenschaftler vermuten, dass die Kreise eine Folge von Konkurrenz unter Pflanzen um Wasser sind. Eine Forschergruppe um Stephan Getzin von der Universität Göttingen und dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig berichtete 2016 etwa, dass sie bei zahlreichen Feenkreisen keine Termiten oder Ameisen gefunden hätten. Sie hatten die Naturphänomene in Australien untersucht, also etwa 10 000 Kilometer von Namibia entfernt. Auch Gase oder Flüssigkeiten im Boden werden als mögliche Ursache diskutiert.

In der aktuellen Studie hat das Team um Jürgens die afrikanischen Feenkreise erneut untersucht. "Zu unserer Überraschung haben wir festgestellt, dass die Feenkreise der Namib-Wüste von zwei ganz verschiedenen Termitenarten verursacht werden, und dass die Verbreitungsgebiete dieser beiden Arten klar getrennt sind", sagt Jürgens. Die Grenze liege genau bei 16,23 Grad Süd im südwestlichen Angola.

Südlich davon verursachten Sandtermiten der Gattung Psammotermes die kahlen Kreise. Nördlich davon seien die Feenkreise viel größer, berichten die Forscher. Sie hätten einen mittleren Durchmesser von 24 Metern - zwei bis neunmal größer als die südlichen Kreise. Zudem wiesen sie eine Erhebung in der Mitte auf, in der das Nest der Termiten liegt, und im Boden seien Salze eingelagert. Die Forscher zeigten schließlich, dass eine andere Termitenart diese Kreise entstehen lässt. Molekulargenetische Untersuchungen der unter den Kreisen gefundenen Insekten ergaben eine nahe Verwandtschaft mit Erntetermiten der Gattung Microhodotermes.

© SZ/dpa/weis
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