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Falscher Eindruck:Wo die Déjà-vus herkommen

Ein echtes Gefühl, aber keine Details: Falsche Erinnerungen entstehen durch ein mangelhaftes Zusammenspiel von zwei Bereichen im Gehirn.

Déjà-vus fühlen sich echt an - ein Ereignis scheint genau so schon einmal passiert zu sein. Und doch trügt hier die Erinnerung.

Forscher der Duke University haben nun einen möglichen Grund für das Phänomen entdeckt: Statt zwei Bereichen im Gehirn wie bei echten Erinnerungen, meldet sich bei den untersuchten Déjà-vus nur ein Bereich zu Wort.

Dieser Unterschied spiele auch beim Altern und der Alzheimer-Krankheit eine Rolle, schreibt das Team von Roberto Cabeza. Die Studie soll in der kommenden Ausgabe des Journal of Neurosciences erscheinen.

Cabeza und Kollegen führten verschiedene Gedächtnistests mit gesunden Personen durch. Dabei beobachteten sie die Gehirnaktivität der Teilnehmer mit Hilfe der Magnetresonanztomographie.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass normale Erinnerungen aus zwei verschiedenen Abschnitten des Gehirns abgerufen werden. Aus dem Schläfenlappen bezogen die Versuchsteilnehmer die Details einer Erinnerung, aus dem Scheitellappen das Gefühl, es bereits erlebt zu haben.

Traten bei den Teilnehmern falsche Erinnerungen auf, wich ihre Gehirnaktivität von diesem Schema ab: Der Scheitellappen war aktiv und die Personen glaubten, sich an eine Szene erinnern zu können. Doch das Areal im Schläfenlappen blieb stumm - die Befragten konnten keine Details zu der Erinnerung angeben oder sagen, wann sie das Ereignis bereits erlebt hatten. Zudem waren sie sich unsicherer, ob die Déjà-vus echt waren, als bei Erlebnissen, die tatsächlich stattgefunden hatten.

Cabeza glaubt, dass sich Déjà-vu-Erlebnisse mit der unterschiedlichen Aktivität der zwei Gedächtnisbereiche erklären lassen. Nur wenn beide Abschnitte beteiligt seien, hätte man wegen den zusätzlichen Details das Gefühl, die Erinnerung sei echt.

Der Forscher vermutet, dass sich damit auch die zunehmende Vergesslichkeit für Einzelheiten im Alter erklären ließe. Das Gedächtnis beruhe dann stärker auf dem Gefühl-Areal, während der Bereich für Details abbaue.

"Im Gegensatz dazu verlieren Patienten mit der Alzheimer-Krankheit üblicherweise beide Arten von Erinnerung gleich schnell", so Cabeza. Der Gehirnforscher hofft, dass Ärzte diesen Unterschied zukünftig für die frühe Diagnose von Alzheimer heranziehen können.

© Quelle: www.medical-tribune.de/mcs
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