Explosion einer unbemannten US-Rakete Astronomische Pleite

Teures "Missgeschick": die explodierende Antares-Rakete.

(Foto: Steve Alexander/AFP)

Der Crash einer 200 Millionen Dollar teuren unbemannten Rakete in den USA bringt eine private Raumfahrtfirma in Existenznot. Doch die Nasa will trotzdem an ihr festhalten.

Von Christopher Schrader

"Die Triebwerke laufen auf 108 Prozent", ist der letzte Satz, den der Kommentator noch aussprechen kann, dann knallt es. Zehn Sekunden nach dem Abheben, die Rakete hat erst wenige Meter an Höhe gewonnen, weitet sich ihr Feuerstrahl plötzlich zum Feuerball. Die Bewegung stockt, der weiße Zylinder fällt zurück zur Erde und schlägt dort in einer zweiten Explosion auf. Trümmer fliegen in alle Richtungen. Menschen kommen nicht zu Schaden, aber Gerät für mindestens 200 Millionen Dollar geht in Flammen auf.

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Der spektakuläre Crash am Dienstagabend kurz nach Sonnenuntergang könnte sich als Fanal für die Hersteller und Betreiber der Rakete vom Typ Antares erweisen. Sie sollte Nachschub zur Weltraumstation ISS bringen, als sie im US-Bundesstaat Virginia zerschellte. Noch gibt sich der Chef der Privatfirma Orbital Sciences Corporation, der Ex-Astronaut Frank Culbertson, tapfer: "Wir haben alle erlebt, dass so etwas in unserem Geschäft passiert. Wir haben gesehen, wie sich die Teams davon erholen, und wir werden dasselbe tun." Aber andere sind weniger optimistisch: "Die Firma kann daran kaputtgehen", sagt der Deutsche Ulrich Walter, ebenfalls früherer Astronaut und heute Professor für Raumfahrttechnik an der TU München. "Ihre einzige Startrampe ist kaputt und eigentlich müsste sie ihre Rakete komplett umkonstruieren. Das kostet viel Zeit und Geld."

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Die Firma Orbital Sciences ist eine der beiden Unternehmen, die im Auftrag der Nasa Raumfrachter zur ISS schicken sollen. Sie bekommt 1,9 Milliarden Dollar für acht Flüge. Der Start am Dienstag sollte der dritte sein; zwei vorherige und zwei Teststarts waren problemlos verlaufen. Trotzdem üben jetzt viele Beobachter Kritik. "Die Raketenmotoren waren eine falsche Wahl", sagt Ulrich Walter. "Die Antares hat russische Haupttriebwerke verwendet, die vor 40 Jahren für eine Mondrakete gebaut und dann jahrzehntelang eingemottet wurden."

Heikle Technologie

Im Prinzip gelten diese Raketenmotoren als sehr leistungsstark. Aber sie nutzen eine heikle Technologie, die man in den USA nie ganz beherrscht hat: die Verbrennung von Kerosin mit flüssigem Sauerstoff. Eine US-Firma hat die alten Triebwerke zwar im Auftrag von Orbital Sciences überprüft und modifiziert, kannte sich aber womöglich nicht mit den Feinheiten der Technik aus, vermutet Walter. "Die Materialien der gealterten Triebwerke konnten wohl den sehr aggressiven heißen Gasen nicht mehr standhalten." Vielleicht spielte auch eine Rolle, wie manche Beobachter bemerkten, dass die Motoren vor der Explosion bei 108 Prozent leicht über ihrem Limit liefen, im roten Bereich.

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Es wäre nicht das erste Versagen. Schon zweimal haben sich solche Triebwerke beim Probelauf auf dem Teststand selbst zerstört: 2011 und im Mai 2014. Es ging nicht um die Motoren für den aktuellen Start, womöglich hat die Nasa die Betreiberfirma deshalb gewähren lassen. Das dürften ihr nun Kritiker vorhalten. Die Weltraumbehörde legt aber erkennbar Wert darauf, den Wettbewerb unter ihren Subunternehmern zu fördern - und dafür wird Orbital Sciences weiter gebraucht. Womöglich nannte Nasa-Vize William Gerstenmaier die 200-Millionen-Dollar-Explosion darum nur ein "Missgeschick".