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Experimente zur Evolution:Konkurrenz ist wichtig für die natürliche Auslese

Einen Überlebensvorteil bot die Körperkraft aber auf den Inseln, wo besonders viele Leguane ausgesetzt worden waren - und zwar unabhängig von der Zahl der Fressfeinde.

Vor dem Experiment hatten die Tiere im Mittel etwa 170 Sekunden durchgehalten, als die Biologen sie auf einem Laufband testeten. Die Männchen, die im September noch lebten, schafften auf einer Insel 17 Sekunden mehr.

Solche Vorteile können beim Kampf um Futter oder Weibchen den Ausschlag geben. Die kräftigeren Reptilien hatten auf dicht besiedelten Inseln viel bessere Chancen, sich fortzupflanzen und ihre Eigenschaften weiterzugeben.

"Manchmal ist der Tod durch den Konkurrenten wichtiger für die natürliche Auslese als der Tod durch den Fressfeind", sagt Calsbeek.

Auf dem Festland, erwartet der Biologe, könnten die Verhältnisse hingegen genau umgekehrt sein. Dort gibt es genug Futter für alle, aber noch viel mehr Fressfeinde. Denen entkommen womöglich nur Leguane, die ihr Verhalten der Situation anpassen. Anzeichen davon sahen Calsbeek und Cox auch auf ihren Inseln: Wo Schlangen lebten, saßen die Anolis im Mittel viel höher im Geäst.

Dem Klimawandel ausgeliefert

Einer anderen Veränderung ihrer Lebensumwelt haben Leguane aber womöglich nichts entgegenzusetzen: der Erwärmung durch den Klimawandel. 20 Prozent aller Arten können bis 2080 aussterben, schätzen Forscher um Barry Sinervo von der Universität von Kalifornien in Santa Cruz (Science, Bd.328, S. 894, 2010).

Der Forscher hat zunächst 200 lokale Populationen von Stachelleguanen in Mexiko beobachtet. Jede achte Gruppe der Tiere, die zu 48 Arten gehörten, war zwischen 1975 und 2008 verschwunden, weil ihnen ihr Lebensraum zu heiß geworden war.

Wie Analysen mit elektronischen Thermometern zeigten, mussten die Tiere wegen der Hitze offenbar zu viel Zeit im Schatten verbringen, darüber kam die Futtersuche zu kurz.

Als die Biologen im Internet nach Resultaten anderer Forscher suchten, schickten Kollegen aus Australien, Chile, Finnland, Frankreich und weiteren Ländern Daten. Daraus konstruierte Sinervo ein Computermodell, das hochrechnet, wie der Verlust an Lebensraum die Leguane trifft.

Geht der Ausstoß von Treibhausgasen unvermindert weiter, ergab die Simulation, könnte 2080 jede fünfte dieser Reptilien-Spezies ausgestorben sein. Das Verschwinden lokaler Populationen hatte das Modell schon korrekt vorhergesagt. Der Rückgang geht besonders zu Lasten der lebendgebärenden Leguane, weil sie empfindlicher auf die Erwärmung reagieren als eierlegende Spezies.

© SZ vom 12.05.2010/cosa
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