Evolution Wo der Wolf zum Hund wurde

Vorfahren von Wölfen haben sich vor Tausenden Jahren zu Hunden entwickelt.

(Foto: AFP)

Wie und wann entwickelte sich das Wildtier zum Begleiter der Menschen? Forscher haben dieses evolutionäre Rätsel nun wohl gelöst.

Von Hubert Filser

Der Hund ist das älteste Haustier des Menschen und sein erster treuer Begleiter. Da sind sich Forscher sicher. Auch dass alle heute lebenden Hunderassen vom Wolf abstammen, ist belegt. Doch deutlich auseinander gingen bislang die Ansichten, wann und wo der Wolf gezähmt wurde. Jetzt gibt hier eine neue Studie Auskunft. Demnach geschah die Domestizierung sehr wahrscheinlich sogar zweimal, zunächst vor etwa 15 000 Jahren in Europa und dann unabhängig davon noch einmal 2500 Jahre später in Ostasien.

"Der Hund ist damit in jedem Fall entstanden, ehe die Menschen sesshaft lebten, Kühe molken oder Schweine hüteten und die Landwirtschaft erfanden", sagt Greger Larson von der Universität Oxford. Der Professor für Paläogenetik und Bio-Archäologie hat in der umfangreichen Studie genetische wie auch archäologische Daten von prähistorischen und modernen Hunden ausgewertet.

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Bislang waren die meisten Wissenschaftler davon ausgegangen, dass der Wolf nur einmal gezähmt worden ist und sich dann gemeinsam mit dem Menschen ausgebreitet hat. Wo der Wolf zum Hund wurde, war umstritten. Ein Teil der Forschergemeinde wollte den Hunde-Ursprung gesichert in Asien im heutigen China nachgewiesen haben, der andere in Europa. Die Forscher hatten ein kompliziertes genetisches Puzzle zu lösen.

Heutige Hunde stammen von zwei unterschiedlichen Wolfs-Populationen ab

Erschwerend kam hier hinzu, dass Wölfe und die frühen Hunde über weite Strecken wanderten und einst die gesamte nördliche Hemisphäre besiedelten. Wolf- und Hund-Populationen vermischten sich daher genetisch immer wieder miteinander. Erst die Oxford-Studie bringt nun mehr Klarheit in dieses Durcheinander der verschiedenen möglichen Abstammungslinien und Ursprungsorte: Die heutigen Hunde stammen demnach von zwei verschiedenen Wolfspopulationen ab, ihre Vorfahren entwickelten sich zunächst getrennt voneinander in Europa und Asien. Erst vor knapp 5000 Jahren vermischten sich dann ihre Nachkommen, als nämlich die asiatischen Hunde mit ihren Herrchen und Frauchen nach Europa einwanderten und die einheimischen Hunde teilweise verdrängten.

Die vielen verschiedenen Hunderassen, die heute existieren, sind erst nach und nach entstanden, als sich die Hunde an bestimmte Lebensräume und Lebensbedingungen anpassten und in der Folge genetisch veränderten. Ein Hütehund etwa braucht andere Eigenschaften als ein Jagdhund. Auch die tiefe Beziehung zwischen Mensch und Tier, die wir heute oft beobachten, hat sich erst langsam entwickelt. Heutige Hunde sind emotional sehr viel enger an uns Menschen gebunden und viel abhängiger von uns als ihre frühen Artgenossen, sie haben gelernt, menschlichen Anweisungen zu folgen.

Deutsche Hundeliebhaber sind dem Ursprungsort der ersten Hunde übrigens besonders nahe. Nach aktuellem Stand stammt nämlich das weltweit älteste, sicher einem Hund zugeordnete Fossil aus Bonn-Oberkassel. Dort hatten Steinbrucharbeiter vor Jahren die sterblichen Überreste eines Mannes und einer Frau entdeckt - und direkt neben ihnen den Schädelknochen ihres Hundes. Dieses knapp 15 000 Jahre alte Grab dreier Gefährten markiert den Beginn einer großen Freundschaft.

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