Erfurt (dpa/th) - Vertreter aus Politik und Kirchen haben auch in Thüringen der Opfer der nationalsozialistischen Pogrome gegen Juden vor 82 Jahren gedacht. In Erfurt kamen unter anderem der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde, Reinhard Schramm, und Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) zu einer Gedenkstunde mit Kranzniederlegung auf dem jüdischen Friedhof.
„In dieser Nacht offenbart sich in besonders drastischer Form das Ausmaß der offenen Gewalt und Brutalität der NS-Machthaber gegen die jüdische Bevölkerung vor den Augen aller“, sagte Ramelow zum Gedenken an die Ereignisse in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938. Damals steckten Nationalsozialisten in ganz Deutschland Synagogen in Brand, Geschäfte und Wohnungen von Juden wurden geplündert.
„Auch heute sind Antisemitismus und Rechtsextremismus die größten Gefahren für unsere Gesellschaft. Das hat nicht zuletzt der Anschlag von Halle gezeigt. Taten wie diese bedrücken und entsetzen“, sagte Landtagspräsidentin Birgit Keller im Vorfeld der Gedenkstunde. Für die Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag, Susanne Hennig-Wellsow erinnert das Datum auch an aktuelle Gefahren: „Mehr als 350 Ermittlungsverfahren wurden in Thüringen in den letzten fünf Jahren wegen antisemitischer Delikte eingeleitet, allein 30 weitere kamen im ersten Halbjahr 2020 hinzu.“
Die FDP-Fraktion beantragte in Erinnerung auch an weitere mit dem Datum des 9. Novembers verbundene historische Ereignisse eine Aktuelle Stunde im Landtag. Das Datum sei durch die Pogromnacht von 1938 bedrückend und beschämend belastet, sagte Landtagsvizepräsident Dirk Bergner (FDP). Der 9. November 1989 mit dem Mauerfall stehe aber auch für Freiheitswillen und Demokratie.
