Expedition zu einem Meer, das es nicht gibt

Eigentlich erschien es ganz logisch: In Amerika fließt der Mississippi und der Amazonas, in Asien der Ganges und der Mekong, in Afrika gar der Nil als längstes fließendes Gewässer überhaupt. Warum also sollte Australien keinen gewaltigen Strom bergen? Das dachte einst auch Thomas J. Maslen, ehemaliger Offizier bei der East India Company. Und legte in seinem Buch "The Friend of Australia" eine Landkarte vor, die ein gewaltiges, bis dahin unentdecktes Flussnetz zeigte.

Maslen spekulierte also, dass auf die Siedler Australiens ein wasserreiches, fruchtbares Land im Innern des Kontinents wartete. Auch wenn Australien zu jener Zeit vor allem als Strafkolonie dienen sollte, wollten manche Siedler es weiter erschließen. Und Maslen gab in seinem Buch Ratschläge, wie sie dabei am besten vorgehen sollten. Er ging in seinen Ausführungen davon aus, dass ein riesiger Fluss den Kontinent in zwei Hälften teilte, in "Australindia" und "Anglicana". Er glaubte zudem, dass sich parallel zur Westküste eine Reihe von zehn Hügelketten fand, hinter denen sich das Wasser der gewaltigen Flüsse in einem Binnensee sammelte.

Im Jahr 1827 und 1829 machten sich Forscher auf, den Verläufen bereits bekannter Flüsse zu folgen, sie fanden jedoch keine Spur von einem Binnenmeer. Nur den flachen See Alexandrina, am Indischen Ozean, in dem nach Ansicht der Ureinwohner das Ungeheuer Muldjewangk wohnt.

Erst Jahrzehnte später hatte sich endlich herumgesprochen, was im Innern des Kontinents auf die Menschen wartete: Ödnis und Dürre. Als "totes Herz von Australien" bezeichneten die Siedler dann die Landschaft, so ganz ohne Flüsse und Binnenmeer.

24. November 2017, 15:032017-11-24 15:03:24 © SZ.de/chrb