Erdüberlastungstag:Wie der Autoverkehr reduziert werden kann

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Erdüberlastungstag: Berufsverkehr in Berlin.

Berufsverkehr in Berlin.

(Foto: Paul Zinken/dpa)

"Erdüberlastungstag" ist in Deutschland schon Anfang Mai. Das liegt auch daran, dass dem Automobil zu viel Raum zugebilligt wird. Wie es besser ginge.

Kommentar von Christoph von Eichhorn

Seit dieser Woche lebt Deutschland auf Pump: Seit dem 4. Mai sind rechnerisch alle Ressourcen verbraucht, die bei einer nachhaltigen Lebensweise im ganzen Jahr zur Verfügung stünden. Schon schlimm: Würden alle so leben, bräuchte man drei Erden. Überraschend ist das Datum des "Erdüberlastungstags" aber nicht. Seit Langem bewegt es sich gerade mal um ein paar Tage hin oder her. Dass die Fortschritte mit der Lupe zu suchen sind, liegt neben einem verschwenderischen Energieverbrauch und zu viel Massentierhaltung besonders am hohen Stellenwert des Automobils hierzulande.

Selten zeigt sich die Überlastung der Erde so konkret wie in verstopften Straßen während der Rushhour. Dass dies kein Naturgesetz sein muss, zeigt gerade eine Studie schwedischer Verkehrsforscher. Aus 800 Fallstudien in europäischen Städten haben die Wissenschaftler zwölf Maßnahmen destilliert, die besonders geeignet sind, das Autoaufkommen und damit die CO₂-Emissionen zu reduzieren. Ganz vorne liegen Städte wie London oder Stockholm, die eine "Verstopfungsgebühr" eingeführt haben, bekannt als City-Maut. Auch generelle Zufahrtsbeschränkungen wie in Rom oder der großflächige Wegfall von Parkplätzen wie in Oslo funktionieren.

Zuckerbrot und Peitsche

Von derlei Evidenz lassen sich Entscheidungsträger in Deutschland bislang wenig stören. Anders ist kaum zu erklären, warum die Politik das Neun-Euro-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr zum Hauptwerkzeug erkoren hat, um Einsparungen zu erreichen. Ein klassischer "Pull"-Ansatz mit dem Ziel, umweltfreundliche Alternativen zum Auto attraktiver zu machen. Solche "Zuckerbrot"-Maßnahmen können durchaus eine Rolle für einen umweltfreundlichen Umbau des Verkehrssystems spielen - etwa um einzelne Gruppen wie Pendler oder Studierende gezielt zu unterstützen. Deutlich wirksamer ist aber eine Kombination mit "Push-"Ansätzen, die Verkehrsteilnehmer in die richtige Richtung schubsen. Darunter fallen etwa Parkgebühren selbst am Arbeitsplatz, wie sie Rotterdam eingeführt hat, oder eine Reduktion von Fahrspuren. Zuckerbrot und Peitsche eben.

So wird das Neun-Euro-Ticket zwar viele Pendler freuen, die ohnehin schon mit Bus und Bahn reisen. Autofahrer aber dürfte es kaum in Scharen zum Umstieg bewegen - zumal das Ticket auf drei Monate beschränkt bleibt. Den genauen Effekt kann man dann am "Overshoot Day" im nächsten Jahr ablesen. Also Anfang Mai, einige Tage früher oder später als jetzt.

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