Erdüberlastungstag:Deutschland hat alle natürlichen Ressourcen für dieses Jahr verbraucht

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Am 4. Mai ist "nationaler Erdüberlastungstag": Würden alle Menschen so leben wie in Deutschland, wären drei Erden nötig. Wie die Berechnung zustande kommt.

Von Christoph von Eichhorn

Wenn alle Menschen so leben würden wie die Einwohner Deutschlands, wären bereits an diesem Donnerstag die für dieses Jahr verfügbaren natürlichen Ressourcen der Erde verbraucht. Das geht aus Berechnungen des "Global Footprint Networks" hervor. Laut der Organisation wären rund drei Erden nötig, wenn alle Länder pro Einwohner so viele Naturgüter verbrauchten und Emissionen verursachten wie die Bundesrepublik.

Das Netzwerk berechnet sowohl für jedes Land einen nationalen als auch einen weltweiten Erdüberlastungstag - den sogenannten Earth Overshoot Day, der 2022 auf den 28. Juli fiel. Der Deutsche Erdüberlastungstag fiel den Berechnungen zufolge auch im vergangenen Jahr auf den 4. Mai.

Grundlage für die Berechnungen ist der "ökologische Fußabdruck", ein Maß dafür, welche Fläche auf der Erde für den durchschnittlichen Konsum und die Müllentsorgung nötig ist. Für jeden Menschen, der in Deutschland lebt, werden demnach 4,67 Hektar an nutzbarer Fläche auf der Erde benötigt. Die sogenannte Biokapazität der Erde liegt jedoch bei 1,6 Hektar pro Person - das ist der Flächenverbrauch, den die Erde pro Person schätzungsweise maximal verkraften kann, ohne zerstört zu werden. Auf diese Weise ergibt sich, dass drei Erden nötig wären, würden alle so leben wie in Deutschland.

"Die CO₂-Emissionen in Deutschland müssten dreimal so schnell sinken wie bisher."

In Deutschland ist die Übernutzung vor allem auf die Treibhausgas-Emissionen zurückzuführen. Pro Einwohnerin oder Einwohner wären demnach allein drei Hektar erforderlich, um den Treibhausgas-Ausstoß zu neutralisieren, beispielsweise, indem Wälder überschüssiges CO₂ aufnehmen. 0,7 Hektar werden pro Einwohner für die Herstellung von Nahrungsmitteln und Kleidung benötigt, 0,6 Hektar für Holzprodukte.

"Die CO₂-Emissionen in Deutschland müssten dreimal so schnell sinken wie bisher. Zugleich müssen wir den Rohstoffverbrauch minimieren, wenn wir die Tragfähigkeit des Planeten und die Menschenrechte schützen wollen", sagte Christoph Bals, politischer Geschäftsführer von Germanwatch, laut einer Mitteilung der Umwelt- und Entwicklungsorganisation. Es gebe zwar einige positive Ansätze hierzulande. "Aber wenn wir die nicht massiv beschleunigen, werden wir noch Jahrzehnte brauchen, um zu einer nachhaltigen Lebensweise zu finden." Mit den schwerwiegendsten Folgen dieser jahrzehntelangen Übernutzung müssen vor allem die jungen und nachfolgenden Generationen sowie arme Menschen im globalen Süden fertig werden.

Global betrachtet hat Katar den höchsten Ressourcenverbrauch pro Einwohner. Der katarische Erdüberlastungstag fällt bereits auf den 10. Februar, gefolgt vom luxemburgischen am 14. Februar. Deutschland liegt beim Ressourcenverbrauch unter allen Staaten im obersten Viertel. Rund 50 Staaten haben dagegen keinen nationalen Überlastungstag, wirtschaften also innerhalb der planetaren Grenzen.

Nicht berücksichtigt in den Daten des Global Footprint Networks sind die Folgen der Corona-Pandemie, die 2020 die Treibhausgas-Emissionen kurzfristig einbrechen ließen. Denn die jüngsten Zahlen zum ökologischen Fußabdruck stammen aus dem Jahr 2018, was die Organisation mit einer drei- bis vierjährigen Verzögerung bei der Erhebung und Auswertung der Daten begründet. In Deutschland sind die Treibhausgas-Emissionen seit 2018 um rund 100 Millionen Tonnen gesunken, laut Umweltbundesamt auf zuletzt 746 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente im Jahr 2022. Basierend auf dem aktuellen Stand würde der nationale Erdüberlastungstag also wohl erst in einigen Wochen begangen werden müssen.

Mit Material von dpa

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