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Entwicklung:Lieber laut und bunt

Babys lernen eher Wörter für Gegenstände, die sie selbst interessant finden, als für Dinge, auf die Erwachsene sie hinweisen.

Katja Ebbecke

Babys lernen Wörter für Gegenstände, die sie interessant finden - und zwar unabhängig davon, ob ein sprechender Erwachsener diesen Dingen Aufmerksamkeit schenkt oder nicht.

Die Ergebnisse einer Studie von Psychologen um Shannon Pruden von der Temple University in Philadelphia legen nahe, dass Babys unter zehn Monaten ihren Verständnis-Wortschatz anders erweitern als ältere Kinder (Child Development, Bd. 77, S. 266, 2006). Während sich Kinder ab etwa einem Jahr von Hinweisen einer Bezugsperson leiten lassen, werden jüngere davon wohl nicht beeinflusst.

Die Psychologen hatten 44 zehn Monate alte Babys untersucht, denen jeweils ein interessanter Gegenstand wie ein blaugepunkteter Stab und ein langweiliges Objekt wie ein beigefarbener Flaschenöffner gezeigt wurden. Bei der Hälfte der Gruppe folgte der Erwachsene dem Interesse des Kindes: Er zeigte auf den bunten Gegenstand und sagte mehrmals dessen Namen.

Die andere Gruppe wurde einem Konflikt zwischen eigenem Interesse und dem des Erwachsenen ausgesetzt. Der Versuchsleiter deutete auf den langweiligen Gegenstand und benannte ihn.

Dennoch nahm das Baby an, er rede über das bunte Objekt. Denn als die Kinder nach dem gelernten Wort gefragt wurden, schauten nicht nur die Babys aus der ersten, sondern auch aus der zweiten Gruppe auf das für sie interessante Objekt.

Die Studie mache deutlich, dass Kinder unter zehn Monaten Blicke oder Fingerzeige nicht automatisch richtig verstehen, sagt Klaudia Thoermer, Entwicklungspsychologin an der Universität München.

Dass Kinder dennoch kaum falsche Begriffe für Gegenstände lernen, liege an ihrer Fähigkeit zu erkennen, was systematisch zusammengehört. Dennoch sollten sich Eltern am Interesse des Kindes orientieren, da dies ihre Sprachentwicklung fördere.

Schon frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass Kinder einen größeren Wortschatz bekommen, wenn sich ihre Eltern beim Anschauen eines Bilderbuchs nach ihnen richten.

© SZ vom 4.4.2006
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