bedeckt München 23°
vgwortpixel

Entdeckung von habitablen Planeten:Der Weg zu fremdem Leben

Die Entdeckung der Welt "Kepler-452b" ist ein gewaltiger Erfolg für die Planetenjäger der Nasa - und ein erster Schritt bei der Suche nach fremden Spezies.

Für Astrophysiker, die nach lebensfreundlichen Welten Ausschau halten, war es eine gute Woche. Zuerst erklärte ein russischer Milliardär, er werde 100 Millionen US-Dollar in die Suche nach extraterrestrischer Intelligenz investieren. Für das Seti-Institut, das mit Radioteleskopen den Himmel nach Signalen absucht, mal eben eine Verfünffachung des Budgets. Am Donnerstag dann verkündete die Nasa, ihr Weltraumteleskop Kepler habe einen möglicherweise lebensfreundlichen Planeten entdeckt, der nur wenig größer als die Erde ist und eine Art Doppelgängerin der Sonne umkreist.

Da wurde Jon Jenkins vom Ames Forschungszentrum der Nasa bei der Pressekonferenz ganz warm zumute: "Then felt I like some watcher of the skies - When a new planet swims into his ken.", rezitierte er ein Gedicht von John Keats: "Da fühlte ich mich wie ein Wächter der Himmel - da ein neuer Planet in ihren Kreis schwimmt." Wird es also nur noch wenige Jahre dauern, bis eine Art Lebenszeichen von so einem Planeten auf der Erde ankommt, ein handfester Beweis für Leben außerhalb des Sonnensystems?

Die Euphorie ist verfrüht, doch tatsächlich sind die Fortschritte, die Planetenjäger in den letzten Jahren erzielt haben, beachtlich. Gerade mal 20 Jahre ist es her, dass der allererste Planet außerhalb des Sonnensystems entdeckt wurde - dieser Exoplanet heißt "51 Pegasi b", ein heißes jupitergroßes Monstrum aus Gas, das in atemraubenden vier Erdentagen einmal um seinen Stern rast. Seitdem haben die Forscher immer kleinere, immer erdähnlichere Welten entdeckt, und heute ist Planetenentdecken schon fast Routine: 4696 mögliche Welten hat alleine das Kepler-Teleskop in sechs Jahren aufgespürt, 1879 solcher Kandidaten sind mittlerweile durch eine zweite Beobachtung bestätigt - macht rund einen neuen Planeten pro Tag. Ist der neue Himmelskörper mit Namen "Kepler-452b" in 1400 Lichtjahren Entfernung, den die Nasa überschwänglich als "Cousin der Erde" bezeichnet, da überhaupt noch etwas Besonderes?

Vor allem zeigt Kepler-452b deutlich, was die Forscher mittlerweile trotz einer Distanz von 1400 Lichtjahren, immerhin zwei Millionen Mal die derzeitige Distanz von der Erde bis zum Pluto, ablesen können - und was nicht.

Kepler-452b umkreist seinen Stern in ähnlichem Abstand wie die Erde die Sonne. Das "Kepler-186" System war bereits vor einiger Zeit entdeckt worden.

(Foto: NASA/JPL-CalTech/R. Hurt)

So lässt sich bereits mit einer Genauigkeit von 20 Minuten abschätzen, wie lange ein Jahr auf Kepler-452b dauert. Das liegt an der Methode, mit der Exoplaneten üblicherweise aufgespürt werden. Da diese Planeten so weit entfernt sind und selbst kein Licht abgeben, misst das Kepler-Teleskop stattdessen die Helligkeit ihrer Sterne. Eine kurze Verdunkelung um einen winzigen Bruchteil deutet daraufhin, dass in diesem Moment wohl gerade ein Planet vor dem Stern vorbeirast. Anhand dieses Vorbeiflugs lässt sich die Dauer einer ganzen Umrundung errechnen - auf Kepler-452b dauert ein Jahr 385 Erdentage.

Der Exoplanet ist etwa 1,6 Mal so groß und 2 Milliarden Jahre älter wie die Erde, eine Art "älterer, größerer Cousin", so die Nasa. Der Stern von Kepler-452b ist mit geschätzten 5484 Grad Celsius Oberflächentemperatur annähernd so heiß wie die Sonne (5505 Grad). Selbst der größte Abstand zwischen Planet und Stern stimmt bis auf wenige Prozent mit dem zwischen Erde und Sonne überein. All das erhöht die Chancen, dass nicht zu viel oder zu wenig Wärme, Licht und UV-Strahlung die Planetenoberfläche erreichen, dort also gute Bedingungen für Leben herrschen könnten. "Der Fund ist signifikant", sagt deshalb Tilman Spohn, oberster Planetenforscher am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. "Der Planet liegt ziemlich gut in der habitablen Zone."

Zwölf bislang entdeckte Exoplaneten haben einen weniger als doppelt so großen Durchmesser wie die Erde und kreisen in der habitablen Zone um ihren Stern. Kepler-452b rotiert zudem um einen sonnenähnlichen Stern.

(Foto: NASA/JPL-CalTech/R. Hurt)
Zur SZ-Startseite