SZ-Klimakolumne:Sparen, sparen, sparen

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SZ-Klimakolumne: Wenn es eine Sache gibt, an der man im Sommer auf gar keinen Fall sparen sollte, dann ist es Eis.

Wenn es eine Sache gibt, an der man im Sommer auf gar keinen Fall sparen sollte, dann ist es Eis.

(Foto: Andrey Popov/imago)

Sparsamkeit hat Konjunktur, gerade in Deutschland. Aber lassen sich so die Klimaprobleme lösen?

Von Vivien Timmler

Würden Sie sich selbst als sparsam bezeichnen? Ja? Dann gehören Sie damit in Deutschland zur Mehrheit. Knapp zwei Drittel der Bundesbürger sagen einer YouGov-Studie zufolge von sich selbst, dass sie sehr umsichtig, gar vorsichtig mit ihrem Geld umgehen. In Europa sind sie damit Spitzenreiter. In keinem anderen Land sparen die privaten Haushalte laut einer ING-Berechnung so viel wie hierzulande.

Robert Habeck hat diese Woche erneut im Frühstücksfernsehen zum Sparen aufgerufen. Nicht zum Geld sparen, das tun die Deutschen ja offenbar ohnehin, erst recht in der Corona-Krise. Nein, die Spar-Europameister beim Geld sollen ruhig auch bei Energie ein bisschen geizen. Wer Energie spare, schütze das Klima, stärke das Land und schone den Geldbeutel, so Habeck.

Insbesondere meint er damit natürlich Öl und Gas. Vor allem von Letzterem ist die deutsche Industrie nach wie vor in hohem Maße abhängig - und damit von Russland. Doch es befeuert nicht nur Kraftwerke und dient etwa der Chemieindustrie als Rohstoff, sondern sorgt auch dafür, dass viele Wohnungen im Winter warm bleiben. "Das Gas, das wir jetzt nicht verbrauchen, können wir speichern", sagt deshalb auch der Ökonom Achim Wambach vom Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, kurz ZEW. Es sei "sinnvoll, schon jetzt Gas einzusparen."

Und klar, er hat schon recht: Schon eine ein Grad kühlere Raumtemperatur daheim bedeutet etwa sechs Prozent weniger Heizenergie, was bei einer 70-Quadratmeter-Wohnung aufs Jahr gerechnet etwa 160 Kilo weniger CO₂-Emissionen ausmacht- und etwa 40 Euro an Heizkosten spart. Sollte den Deutschen ja eigentlich entgegenkommen. Der Punkt ist nur: Jetzt kommt der Sommer. Die Menschen heizen nicht mehr (okay, als ich diese Zeilen schrieb, überprüfte ich kurz unsere Thermostate und merkte, dass die Heizung im Wohnzimmer immer noch auf zwei lief, warum auch immer), sie machen das Licht später an, wahrscheinlich sinkt sogar der Warmwasserverbrauch. Wo genau also soll gerade so massiv Energie gespart werden?

Zumal hinzukommt, dass die Deutschen ihr Konsumverhalten wegen der steigenden Inflation ohnehin schon eingeschränkt haben. Das legen zumindest erste Umfragen nahe. Laut einer weiteren Befragung von YouGov etwa schränken bereits 81 Prozent der befragten Personen ihren generellen Konsum aufgrund der steigenden Preise ein. Etwa die Hälfte der Befragten gibt an, schon jetzt Strom zu sparen, 41 Prozent heizen weniger, 33 Prozent sparen Wasser. Und ebenfalls ein gutes Drittel gibt an, weniger Auto zu fahren. Ganz ohne Frühstücksfernsehen-Aufruf.

Klar ist das alles nicht nur gut für den Geldbeutel, sondern auch fürs Klima. Interessanter in diesem Kontext ist aber ein anderer Teil der Umfrage, nämlich jener, der zeigt, dass in Zeiten steigender Inflation das Preisbewusstsein die Nachhaltigkeit bei Kaufentscheidungen komplett verdrängt. So geben 60 Prozent der Befragten an, beim Kauf zur Zeit in erster Linie auf den Preis eines Produkts zu achten.

Im Idealfall kann das gut fürs Klima sein - dann, wenn der Preis auch abbildet, wie sehr das Produkt zu Treibhausgasausstoß oder Umweltzerstörung beiträgt. Da sind wir allerdings noch lange nicht. Viele Forscher, die sich mit dem Konzept der Belastungsgrenzen des Planeten beschäftigen, sind der Ansicht, dass es höchste Zeit wird für eine solche Preisgestaltung. Warum das allein als Spar-Anreiz aber nicht reichen dürfte, beschreibt mein Kollege Hanno Charisius.

Eine Sache gibt es da allerdings, an der ich persönlich im Sommer absolut nicht bereit bin zu sparen: Eis. Seit dem 1. Mai esse ich verlässlich jeden Tag eins. Keins aus dem Supermarkt, nee nee, das gäbe es ja das ganze Jahr über. Eins von der Eisdiele. Gestern gab's Mango und Amarena, das war okay. Aber vorgestern, ich sag's Ihnen, da hatte ich Erdbeer-Rhabarber und Walnuss-Krokant. Die Kombination hat schon jetzt das Potenzial, mein Liebling des Sommers zu werden. Dabei hat der ja noch nicht mal richtig angefangen.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende, an dem Sie hoffentlich nicht so viel ans Sparen denken müssen, und erst recht nicht beim Eis.

(Dieser Text stammt aus dem wöchentlichen Newsletter Klimafreitag, den Sie hier kostenfrei bestellen können.)

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