Ende des Universums:In der Milchstraße wird es finster

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Auch innerhalb der Milchstraße wird es mit der Zeit dunkler. Früher oder später geht den Sternen zunehmend der Brennstoff aus. Die Feuerbälle haben dann sämtliche Wasserstoff-Atomkerne in ihrem Inneren zu Heliumkernen verschmolzen. Ist es so weit, schalten Sterne auf einen Energiesparmodus um: Sie zwingen Helium-Atomkerne, zu Kohlenstoff zu fusionieren. Im Zuge dieser Reaktion blähen sich die Sterne zu Roten Riesen auf.

Ist letztlich auch das Helium aufgebraucht, geht dem Stern die Puste aus. Mit einem Mal fällt er in sich zusammen. Je nachdem, wie schwer er ist, lässt er dabei entweder eine weißlich schimmernde Sternleiche zurück, einen sogenannten Weißen Zwerg. Oder die Überreste kollabieren zu einer nur zehn Kilometer großen, aber extrem massiven Kugel, Physiker sprechen von einem Neutronenstern.

Manchmal ist der sterbende Sterin auch so schwer, dass die Schwerkraft ihre Asche zu einem Schwarzen Loch zusammenfallen lässt. In diesem Fall geht dem nahenden Sternentod eine gewaltige Explosion voraus, die Gas durch die halbe Galaxie schleudert. Diese Reste können sich andernorts wieder verdichten und zu einem neuen Stern verklumpen. Irgendwann ist in der Galaxie allerdings kein Gas mehr übrig, aus dem sich neue Sterne bilden können. Von da an verwandelt sich das All in einem kosmischen Friedhof, in dem es fast nur noch ausgebrannte Sterne gibt. Diesen Zustand wird der Kosmos in etwa 100 000 Milliarden Jahren (10¹⁴ Jahren) erreichen.

Aliens aus Dunkler Materie?

Spätestens dann wird es auch für die Dunkle Materie eng. Diese unsichtbare Masse hält das heutige Weltall wie Klebstoff zusammen. Manche Physiker vermuten, dass sie aus einer noch unbekannten Art von Elementarteilchen besteht, die zugleich ihre Antiteilchen sind. Treffen sich zwei dieser Partikel, löschen sie sich wie Materie und Antimaterie gegenseitig aus. Im heutigen Weltall passiert das nur selten. Im 10¹⁴ Jahre alten Universum sammelt sich hingegen immer mehr dieser Dunklen Materie im Umfeld weißer Zwerge. Nach und nach werden sich enorme Mengen der unsichtbaren Substanz selbst vernichten.

Physiker können selbst diesem trostlosen Prozess noch etwas Positives abgewinnen: Seit längerem spekulieren sie, dass sich in den oberen Schichten der weißen Sternleichen Lebewesen bilden könnten. Durch die ständige Selbstverbrennung der Dunklen Materie würde genug Wärme entstehen, um biologische Prozesse aufrecht zu erhalten. Diese hätten dann ihrerseits viele Milliarden Jahre Zeit, in unzählbaren Evolutionsstufen Intelligenz zu entwickeln.

Das Weltall, in dem diese Aliens leben würden, wäre allerdings öde. Wo es nur noch Weiße Zwerge, Neutronensterne und Schwarze Löcher gibt, passiert wenig. Hin und wieder treffen sich zwei Sternleichen in den Weiten des Alls, verschmelzen miteinander und erzeugen einen Strahlungsblitz, den die ganze Galaxie erhellt.

Mit der Zeit setzt ein quälend langsames Siechtum ein: Die Sternleichen verwesen, wenn die Atomkerne in ihrem Inneren zerfallen. Physiker halten es für möglich, dass sogar Protonen, die Grundbausteine aller Materie, instabil sein könnten, wenn man nur lange genug - nach heutigem Wissen mindestens 10³² Jahre - wartet.

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