Fossile Energien:Die Menschheit verbrennt so viel Kohle, Öl und Gas wie nie

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Immer mehr Kohle: Ein Arbeiter schaufelt in Hanoi Steinkohle. (Foto: Nguyen Huy Kham/REUTERS)

Trotz massiven Ausbaus hinken die erneuerbaren Energien hinterher. Was bedeutet das für die Klimaschutzziele?

Von Christoph von Eichhorn

Der klimaschädliche Verbrauch fossiler Energieträger hat weltweit einen neuen Höchststand erreicht. Damit seien auch die Treibhausgas-Emissionen vorerst weiter angestiegen, heißt es in einem aktuellen Bericht des Thinktanks Energy Institute. Demnach wuchsen die energiebedingten Emissionen im Jahr 2023 um zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Erstmals verursachte die Verbrennung von Erdöl, Kohle und Erdgas damit einen Ausstoß von mehr als 40 Milliarden Tonnen Kohlendioxid (CO₂), das Gas bewirkt den überwiegenden Teil der Erderwärmung. Zwar wurde weltweit so viel neue Kapazität an Wind- und Solaranlagen geschaffen wie nie zuvor. Doch das Wachstum der Erneuerbaren reicht bislang nicht, um den noch immer wachsenden Energiehunger der Welt zu stillen – ganz zu schweigen davon, die fossilen Energien merklich zurückzudrängen und damit den Klimawandel zu bremsen.

Es ist ein zweigeteiltes Bild, das die Autorinnen und Autoren des „Statistical Review of World Energy“ zeichnen. „In den fortgeschrittenen Volkswirtschaften gibt es Anzeichen dafür, dass die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen ihren Höhepunkt erreicht hat“, wird der Geschäftsführer des Energy Institute, Nick Wayth, in einer Mitteilung zitiert. So ging der Ölverbrauch in Europa um rund ein Prozent zurück. Die europäischen Länder benötigten auch rund sieben Prozent weniger Erdgas und 16 Prozent weniger Kohle als im Vorjahr.

Noch immer decken klimaschädliche Brennstoffe vier Fünftel des weltweiten Energiebedarfs

Doch diese Rückgänge „stehen im Gegensatz zu den Volkswirtschaften im globalen Süden“, so Wayth. Dort treibe die wirtschaftliche Entwicklung weiterhin das Wachstum des Verbrauchs von fossilen Brennstoffen an. So erreichten die Produktion und der Verbrauch des besonders klimaschädlichen Energieträgers Kohle neue Rekorde. Allein chinesische Kraftwerke verbrennen nun 56 Prozent der weltweit benötigten Kohle. Und in Indien wird erstmals so viel Kohle verfeuert wie in Nordamerika und Europa zusammengenommen. In Asien wächst zudem der Bedarf an Erdöl sowie Flüssiggas (LNG) stark.

Aus Klimaschutzsicht erfreulich ist dagegen, dass die erneuerbaren Energien praktisch überall kräftig zulegen. Insgesamt kamen im Jahr 2023 weltweit Wind- und Solaranlagen im Umfang von 462 Gigawatt hinzu – damit wurde der erst 2022 aufgestellte Rekord um 67 Prozent übertroffen. In Europa kamen Photovoltaik-Anlagen im Umfang von 56 Gigawatt hinzu, auch Südamerika und der arabische Raum setzen verstärkt auf Solarstrom. Zudem wurden weltweit so viele Windräder ans Netz angeschlossen wie nie zuvor. In China wird nun mehr Windstrom erzeugt als in Europa und den USA zusammengenommen.

Die entscheidende Zahl dürfte aber eine andere sein: Sie lautet 81,5. Es handelt sich um den Prozentanteil der fossilen Energien am globalen Bedarf an Strom und Wärme. Um den Klimawandel zu stoppen, müssten die Fossilen praktisch auf null fallen, damit wäre Klimaneutralität erreicht. Derzeit schrumpft der Anteil der fossilen Energien aber nur um 0,4 Prozent pro Jahr. Bleibt es bei diesem Tempo, würde es mehr als 200 Jahre dauern, bis die Welt klimaneutral ist.

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