Elektromobilität Auch E-Autos sind Statussymbole

Wie komme ich damit bei den anderen an? Diese Frage dürften sich auch viele Käufer des E-Autos e.Go Life stellen.

(Foto: dpa)
  • Forscher haben untersucht, was Autokäufer dazu bewegt, zu einem Elektromobil zu greifen - und was andere davon abhält.
  • Eine Ursache ist der negativ eingestellte Handel. Aber auch viele andere Gründe spielen eine Rolle, zum Beispiel Prämien, Privilegien und sozialer Status.
  • Nur die Umwelt spielt in den Überlegungen von E-Auto-Käufern eine kleine Rolle.
Von Christopher Schrader

Der Verkäufer war sich sicher: "Damit kommen Sie nur 80 Kilometer weit." Ein anderer behauptete: "So etwas haben wir gar nicht." Dann korrigierte er sich: "Ach doch, aber das ist nichts für Sie." Ein Dritter warnte: "Dieses Auto wird sie finanziell ruinieren."

Wenn Verkäufer in Autohäusern über Elektromobile sprechen, klingt das oft wenig verheißungsvoll. Gerardo Zarazua de Rubens und seine Kollegen von der Universität im dänischen Aarhus haben die Sprüche sorgsam notiert, als sie sich - getarnt als einfache Kunden - nach batteriebetriebenen Fahrzeugen erkundigten. Bei 126 solchen Besuchen in 15 Städten der fünf skandinavischen Staaten hörten sie in 92 Fällen abwertende Urteile oder bekamen falsche, negative Auskünfte. Mehr als drei Viertel der Verkäufer erwähnten Elektrofahrzeuge ihrer eigenen Marke nicht einmal; die vermeintlichen Kunden mussten danach fragen.

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Manager der Autobranche bestätigten den Forschern später, dass es beim Verkauf hapert. Nicht einmal jeder Zehnte ihrer Händler habe im Vorjahr auch nur versucht, ein Elektroauto an den Kunden zu bringen, sagte einer der Industrievertreter. Die Verkäufer wüssten wenig und bräuchten mehr Zeit für den Abschluss als bei einem Benziner oder Diesel. "Autohäuser sind ein signifikantes Hindernis für die Markteinführung von Elektroautos", stellte das Team aus Aarhus kürzlich in einer Studie im Journal Nature Energy fest. "Ein typischer Interessent wäre ahnungslos geblieben oder falsch über die Leistung der Elektroautos informiert worden."

Dabei kommt eine weitere, aktuelle Studie aus Nature Energy zu dem Schluss, dass der Erfolg von Elektromobilität in den kommenden Jahren massiv von einem ganzen Bündel von Einflussfaktoren abhängen wird: von Benzinsteuern, Prämien und eigenen Parkplätzen sowie Fahrspuren ebenso wie von Informationskampagnen auf sozialen Medien und Sharing-Angeboten, bei denen E-Fahrzeuge ausprobiert werden können. Je nach Engagement in solchen Dingen wird Elektromobilität ein Nischenthema bleiben oder bis 2050 mehr als 500 Millionen E-Autos auf die Straßen bringen.

Die Motive beim Elektroautokauf sind komplex

Die Studie aus Dänemark gibt eine neue Antwort auf eine Frage, die schon viele Psychologen und Wirtschaftswissenschaftler beschäftigt hat: Wann entscheiden sich Autokäufer für Elektroautos? Und warum tun es die meisten nicht? In Deutschland hatten 2017 nur 25 000 der 3,4 Millionen Neuwagen einen Elektromotor. Umweltschützer, Hersteller und Regierungen wüssten nur zu gern, wie sie Interessenten die Wahl erleichtern können. Die Studie aus Skandinavien zeigt indes, was vermutlich nicht funktioniert: Autoherstellern vorzuschreiben, Fahrzeuge mit Elektromotor anzubieten.

Die äußeren Anreize und inneren Motive beim Kauf der Stromer sind komplex. Hilfreich sind wirtschaftlicher Nutzen und Vorteile im Straßenverkehr. Norwegen, das den weltweit größten Marktanteil von fast 40 Prozent bei den Neuwagenverkäufen erreicht, fördert Elektroautos seit 1990 und bietet mittlerweile hohe Zuschüsse an: Zwischen 12 000 und 20 000 Euro sind sie wert, je nach Rechenmodell. Die Autos sind von einer sehr hohen Kauf- und Zulassungsabgabe und der 25-prozentigen Mehrwertsteuer ausgenommen. Außerdem fallen Maut, Fähr- und Parkgebühren weg. Und: E-Mobile dürfen Busspuren benutzen.

Gerade solche Privilegien sind überraschend effektiv. Bei einer Umfrage unter knapp 3400 Fahrern von Elektroautos gaben zwar 80 Prozent die Steuervorteile als wichtigsten Grund für ihre Entscheidung an. Aber ein Sechstel der Käufer sagte auch, ohne die Erlaubnis, die Busspuren zu benutzen, um in der Rushhour schneller voranzukommen, hätten sie das Batteriemobil nicht gekauft. Ähnliche Erkenntnisse gibt es aus den USA, wo das Benutzen der "carpool lanes" auf den Highways vielen Fahrern attraktiv erscheint.