Zoologie Rechner mit Rüssel

Neun ist größer als acht: Die Elefantenkuh Authai aus dem Ueno Zoo in Tokio beim Rechnen.

(Foto: Japan Ethological Society and Springer Japan KK)
  • Tierarten wie Bienen oder Schimpansen beeindrucken durch ihr Verständnis für Zahlen.
  • Eine neue Studie zeigt, dass die besten Mathematiker im Tierreich aber Asiatische Elefanten zu sein scheinen.
  • Teilweise erfassen sie Zahlen sogar schneller als Menschen.
Von Tina Baier

Honigbienen verstehen das abstrakte Konzept der Null, Schimpansen schätzen die Zahl ihrer Feinde ab, bevor sie angreifen, und Blesshühner zählen immer mal wieder die Eier in ihrem Gelege nach. Die größten Mathematiker im Tierreich sind einer neuen Studie zufolge aber Asiatische Elefanten. Das Zahlenverständnis dieser Tiere gleiche eher dem des Menschen als dem anderer Tiere, schreiben japanische Wissenschaftler im Journal of Ethology.

Die Biologen wollten drei Elefanten aus dem Ueno Zoo in Tokio beibringen, mit ihrem Rüssel einen großen Computerbildschirm mit Touchfunktion zu bedienen. Die 18-jährige Surya weigerte sich nach kurzer Zeit, dem Bildschirm nahe zu kommen und musste deshalb aus dem Experiment ausgeschlossen werden. Der 15 Jahre alte Bulle Artit scheiterte in einem Vorversuch.

Übrig blieb die 14-jährige Authai, die schnell lernte, einen roten Startknopf auf dem Bildschirm zu drücken. Anschließend erschienen jeweils zwei Abbildungen, auf denen unterschiedlich viele Obststücke zwischen null und vier zu sehen waren. Tippte Authai die Abbildung mit der größeren Menge an, wurde sie mit einem echten Stückchen Obst belohnt.

Und wie schlau ist Dein Hund?

Border Collies gelten als Genies, Afghanische Windhunde als Dumpfbacken: Regelmäßig tauchen Ranglisten über die Intelligenz der Hunderassen auf. Aber lässt sich messen, wie schlau die Tiere sind? Von Katrin Blawat mehr ...

Im eigentlichen Experiment wurde es dann schwieriger. Der Elefant musste zwischen Abbildungen unterscheiden, die zwischen null und zehn verschiedene Früchte zeigten. Um sicherzugehen, dass das Tier wirklich zählte und die größere Menge nicht nur anhand der Fläche abschätzte, die die Früchte einnahmen, waren die Äpfel, Bananen und Melonen in unterschiedlicher Größe dargestellt.

In 271 Versuchen gab Authai 181 Mal die "richtige" Antwort und berührte die Abbildung mit der größeren Zahl von Früchten, was einer Trefferquote von 66,8 Prozent entspricht. Das ist allein deswegen schon bemerkenswert, weil die meisten Tiere, einschließlich vieler Affenarten, zwar kleine Mengen unterscheiden können, aber scheitern, wenn die Zahl der abgebildeten Einheiten vier oder fünf übersteigt.

Größere Mengen konnten die Tiere sogar schneller unterscheiden als Menschen

Besonders beeindruckt waren die Wissenschaftler aber, dass Authai größere Zahlen wie sieben und acht genauso schnell unterscheiden konnte, wie etwa die kleineren Mengen zwei und drei. Menschen brauchen bei solchen Experimenten umso länger, je größer die Zahlen werden.

Genau wie bei Homo sapiens beobachteten die Forscher bei dem Elefanten dagegen auch den sogenannten Distanzeffekt: Um sich zwischen zwei nahe beieinander liegenden Zahlen wie sieben und acht zu entscheiden, brauchen beide Spezies länger, als wenn es um weiter auseinanderliegende Zahlen wie etwa vier und acht geht.

Die gängige Erklärung dafür ist, dass das Gehirn beim Vergleich zweier Zahlen eine Art Zahlenstrahl nutzt. Um herauszufinden, ob acht größer ist als vier, reicht sozusagen ein kurzer Blick. Bei sieben und acht muss das kognitive System den Zahlenstrahl dagegen genauer inspizieren. Der Distanzeffekt gilt als Voraussetzung dafür, Zahlen überhaupt voneinander unterscheiden zu können.

Katzen versagen als Rattenfänger

Gegen die Rattenplage von New York können selbst Katzen nichts ausrichten: Forscher stellen den Raubtieren nach einem Experiment ein peinliches Zeugnis aus. Von Tina Baier mehr...