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Elefanten:Brutale Jagd auf Giganten

Elefanten in Afrika - von Wilderern bedroht

Die Zahl der afrikanischen Elefanten nimmt jährlich um zwei Prozent ab, weil Wilderer das Elfenbein der Stoßzähne verkaufen wollen

(Foto: Christopher Schrader)

Wilderer töten in Afrika jedes Jahr Zehntausende Elefanten, weil Schmuggel von Elfenbein nach China Millionen abwirft. Artenschützer fordern, jede Art von Handel damit zu verbieten. Doch nicht in jeder Region schwindet die Zahl der Elefanten.

Das Städtchen Kasane in Botswana zeigt Afrika, wie es sein könnte: Ein entspannter Ort, weitgehend frei von Verbrechen und Korruption, vor der Kulisse überwältigend schöner Natur. Der Chobe-Fluss, an dem Kasane liegt, spaltet sich hier in mehrere flache Arme und umschließt sumpfige Inseln mit üppigem Bewuchs. Antilopen, Wasserbüffel und Flusspferde grasen dort - und vor allem Hunderte von Elefanten. Sie schlingen ihre Rüssel um hohe Gräser, lockern deren Halt im Boden mit einigen Tritten gegen die Wurzeln und peitschen ihre Beute dann durch das Wasser. So waschen sie die Erde ab, bevor sie das Grünzeug in den Mund stecken.

Die Population afrikanischer Elefanten im Chobe-Park gehört inzwischen zu den größten der Welt: 70 000 der Tiere leben hier nach offiziellen Schätzungen. Das ist ungefähr jeder siebte Elefant Afrikas; eine knappe halbe Million gibt es noch. In diesen Zahlen liegt eine mehrfache Tragik. Während Schutzgebiete wie Chobe immer mehr der Tiere melden, erschießen Wilderer anderswo jedes Jahr Zehntausende Elefanten. Die illegale Jagd und der Elfenbein-Handel lassen die Gesamtzahl der majestätischen Kreaturen seit 2010 um zwei Prozent pro Jahr sinken, stellt eine neue Analyse fest. Zuvor hatten die Populationen langsam begonnen, sich zu erholen.

33 000 getötete Elefanten

Die Forscher um George Wittemyer von der Colorado State University in Fort Collins haben zwölf Gebiete in Afrika ausgewählt, um den Effekt der Wilderei hochzurechnen (PNAS, online). Dazu gehört auch der Chobe-Park, obwohl hier von 2010 bis 2012 wenig gewildert wurde: Die Forscher kommen auf 353 getötete Elefanten. Dagegen sind der illegalen Jagd in der Niassa-Region Mosambiks und im angrenzenden Selous-Gebiet in Tansania im gleichen Zeitraum 15 210 der Tiere zum Opfer gefallen.

Insgesamt rechnen die Wissenschaftler pro Jahr für ganz Afrika mit mehr als 33 000 getöteten Elefanten - sieben Prozent der Population. Nachwuchs gleicht den Verlust zum Teil aus, sodass die Zahl der Elefanten zurzeit um etwa 10 000 pro Jahr sinkt. Intensive Schutzmaßnahmen seien unverzichtbar, betonen die Forscher; Länder wie Botswana, Namibia und Sambia setzen auf Militär-Patrouillen und lange Gefängnisstrafen für Wilderer.

Artenschützer im Westen fordern währenddessen immer wieder, sämtlichen Handel mit Stoßzähnen und Elfenbeinprodukten einzustellen. "Wir können Elfenbein in unseren Häusern haben, oder Elefanten in Afrika, aber nicht beides", erklärte Anfang August Liz Bennett von der Wildlife Conservation Society im Fachblatt Conservation Biology. Ein kontrollierter, legaler Handel mit Elfenbein, der immer wieder diskutiert wird, sei eine Illusion, argumentiert Bennett. Bestechung werde in jedem Fall dazu führen, dass in großem Umfang gewilderte Stoßzähne mit gefälschten Papieren reingewaschen würden. Bis die internationale Gemeinschaft die Korruption in den Griff bekomme, seien die Elefanten ausgerottet.

Eigentlich untersagt das Washingtoner Artenschutzabkommen Cites den internationalen Handel mit Stoßzähnen bereits seit 1989. In den zehn Jahren davor hatten Wilderer mehr als die Hälfte der 1979 noch 1,3 Millionen Elefanten abgeschlachtet. Schnell begann aber eine Debatte um die Stoßzähne von natürlich gestorbenen Elefanten. So erlaubte die Tierschutzorganisation einigen südafrikanischen Ländern zeitweise, gelagertes Elfenbein legal nach Japan und China zu verkaufen.

"Diese Ausnahmen zuzulassen war ein großer Fehler", sagt Mary Rice von der Umweltgruppe Environmental Investigation Agency: Legal gehandeltes Elfenbein habe den internationalen Bann unterminiert und eine Nachfrage angeheizt, die dann illegal befriedigt wurde - inzwischen offenbar vor allem in China.

Im Chobe-Nationalpark fühlen sich die Elefanten zu wohl

Daniel Stiles, ebenfalls ein ausgewiesener Artenschützer von der Weltnaturschutzunion IUCN, die die Rote Liste gefährdeter Arten erstellt, sieht hingegen eine Chance im Legalisieren des Handels. Nur in einem kontrollierten System sei es auf Dauer möglich, die Nachfrage in China zu dämpfen und die enormen Profite der Wilderer und Schmuggler zu kappen.

Zunächst hat sich die Position von Liz Bennett und Mary Rice durchgesetzt. Im Februar 2014 verzichteten die Staaten Botswana, Tansania, Gabun und Tschad für zunächst zehn Jahre darauf, ihre Elfenbeinvorräte zu verkaufen. Zugleich unterzeichneten insgesamt 46 Länder eine Konvention, um den Handel mit Produkten gefährdeter Arten zu unterbinden und Verbrechen wie Wilderei, Schmuggel und Geldwäsche härter zu bestrafen.

Diese Maßnahmen erhöhen allerdings den Druck auf Botswana. Der dortige Chobe-Nationalpark kann nämlich nach Aussage seiner Manager nur 10 000 bis 15 000 Elefanten verkraften. Die Spuren der vielen großen Pflanzenfresser sind allgegenwärtig: Überall gehen Bäume ein, weil ihre Rinde abgeschält wird, auf ihren Pfaden trampeln die Elefanten alles nieder. Umsiedeln lassen sich die Tiere nicht; sie können ohnehin in der Region über alle staatlichen Grenzen wandern. Und die Herden auszudünnen, hätte drastische Folgen: Staatliche Jäger müssten ganze Familiengruppen auslöschen, weil überlebende Tiere sonst traumatisiert und aggressiv würden.

© SZ vom 19.08.2014
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