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Eisberge:Die Anmut der kalten Kolosse

Sie kentern, zischen, verwittern zu spektakulären Formen: Eisberge sind äußerst vielfältige Gebilde, wie diese Bilder zeigen.

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Quelle: User ; Bernhard Edmaier

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Die Serie "Earth Talks" widmet sich geologischen Phänomenen. Alle Folgen hier.

50 Meter hoch ragt die Spitze dieses Eiskolosses über das Wasser der Diskobucht an der Westküste Grönlands. Der sichtbare Teil macht nur etwa ein Fünftel bis zu einem Siebtel seiner gesamten Masse aus. Der Rest liegt unter dem Wasserspiegel verborgen.

Dieser Gigant ist ein typischer Vertreter der Eisberge in den Nordmeeren. Sie brechen von den mächtigen Gletschern ab, die sich von Grönland, von Kanada, auf Spitzbergen und anderen arktischen Inselgruppen wie der russischen Nowaja Semlja ins Meer hineinschieben. Weil ihre Form meistens einem Berg oder auch einem Bergrücken gleicht, werden diese imposanten Bruchstücke auch Gipfeleisberge genannt.

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Quelle: Bernhard Edmaier

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Eisberge verwittern wie Gestein auch. Sonne, Regen, Schnee und vor allem die Temperaturschwankungen im Bereich von null Grad setzen ihnen zu. Die Wellen schlagen an ihre Ränder, das Meer unterspült sie. Die Folge: Sie schmelzen allmählich, und Eisstücke brechen ab. Dadurch verlieren die weißen Kolosse ihr Gleichgewicht. Sie neigen sich zur Seite, oder drehen sich, so dass die Unterseite nach oben gekehrt wird.

Bei diesem Eisberg, der im kalten Ostgrönlandstrom am Ausgang des Kong-Oscar-Fjords trieb, hat sich ein Tor herausgebildet - eine fragile Konstruktion, die vermutlich nur ein paar Tage gehalten hat.

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Quelle: Bernhard Edmaier

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Wenn sich ein Eisberg dreht, taucht seine ständig vom Meerwasser umspülte und daher oft muschelartig strukturierte Unterseite auf. Die gefrorene Masse ist dort glasklar wie die Eiswürfel in einem Getränk.

Oft ist in der Nähe dieser frisch rotierten Kolosse ein leises Brausen zu hören, als würde Kohlensäure aus Mineralwasser ausperlen. Dieses "Sizzling" genannte Geräusch wird durch das Platzen von Abermillionen Luftbläschen hervorgerufen, die für Jahrhunderte und länger unter hohem Druck in dem Eis eingeschlossen waren - und, sobald der Druck abnimmt, zischend entweichen.

Dieser Eisberg trieb im Ostgrönlandstrom vor der grönländischen Ostküste im Egedefjord. Nach ein paar Stunden war das Zischen verklungen, und das Eis war wieder undurchsichtig weiß.

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Quelle: Bernhard Edmaier

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Zwei verschiedene Arten von Eis treiben im Frühjahr nebeneinander im Wasser der Diskobucht vor der Westküste Grönlands: Große, mehrere Dutzend Meter hohe Eisberge, die vom 40 Kilometer entfernten Jakobshavn-Gletscher abgerissen sind, und die - wie jedes Gletschereis - aus Süßwasser bestehen. Die flachen Schollen sind dagegen aus gefrorenem Salzwasser - aus Meereis. Nur wenige Stunden vor dieser Aufnahme ist die winterliche Meereisdecke aufgebrochen und hat das gigantische Gletscherbruchstück, das darin gefangen war, freigegeben.

Eisberge 5

Quelle: Bernhard Edmaier

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Im Sommer driften die Eisberge vor der grönländischen Küste mit der Meeresströmung und teils angetrieben durch den Wind gegen Süden. Das Sonnenlicht lässt ihre Ränder unter Wasser grün oder türkis leuchten. Besonders große und kompakte Exemplare erreichen mit der Zeit den kalten Labradorstrom vor der Küste Neufundlands. Dort kreuzen sie die Schifffahrtslinien und können zur Gefahr werden. Der Untergang der Titanic im Jahr 1912 ist wohl das berühmteste Beispiel für die Kollision eines Ozeandampfers mit einem Eisberg. Einige Eiskolosse schaffen es sogar noch weiter in den Süden bis zum warmen Golfstrom, wo sie allerdings unweigerlich schmelzen. Je nach Größe, Driftweg und Wetterbedingungen sind manche Eisberge viele Jahre lang unterwegs, in denen sie ständig schrumpfen, bis sie ganz verschwinden.

Eisberge 6

Quelle: Bernhard Edmaier

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Dieser Eiskoloss ist ein typischer Vertreter für die Eisberge in der Antarktis. Solche Tafeleisberge sind in der Regel noch viel größer als die Eisberge in der Arktis, und sie sind oben meistens flach. Die Ursache für diese Form: Die Eismassen der Antarktis fließen vom Kontinent viele Dutzende bis Hunderte Kilometer weit hinaus aufs Meer und bilden dort eine gigantische, zusammenhängende ebene Platte - das sogenannte Schelfeis. An deren äußerem Rand brechen Stücke von der Fläche einer Großstadt ab. Der größte, jemals per Satellit entdeckte Eisberg in der Antarktis, er wurde B-15 getauft, ist im Jahr 2000 vom Ross-Schelfeis abgerissen. Er war mit einer Fläche von mehr als 11 000 Quadratkilometern etwa so groß wie Jamaika.

Eisberge 7

Quelle: Bernhard Edmaier

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Eisberge gibt es jedoch nicht nur in den Meeren der Arktis und Antarktis, sondern auch in den Schmelzwasserseen, die sich vor der Front großer Gletscher aufstauen - wie hier vor dem Skeiðarárjökull auf Island.

Mit dem Rückzug des Gletschers aufgrund der Klimaerwärmung vergrößert sich der See. Vom Eisrand brechen ständig große Stücke ab und treiben dann im trüben Wasser, bis sie geschmolzen sind. Island gilt aufgrund seiner vielen aktiven Vulkane auch als die Insel aus Feuer und Eis. Die Gletscher und somit auch die Eisberge sind deshalb schwarz gefärbt durch die Vulkanasche, die sich auf dem Eis ansammelte und auch im Eis eingefroren ist.

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Quelle: Bernhard Edmaier

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Die Aufnahmen in diesem Text stammen aus dem Fotoblog "Earth Talks" von Bernhard Edmaier. Sie erscheinen hier in einer Kooperation. Mehr dazu auf www.bernhard-edmaier.de/blog

© SZ.de/beu
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