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Einstein-Brief bei Ebay:"Nichts 'Auserwähltes' am jüdischen Volk"

In dem Brief aus dem Jahre 1954, der nun bei Ebay versteigert wird, stellte Einstein darüber hinaus auch seine Haltung zum Judentum klar: "Und das jüdische Volk, zu dem ich gern gehöre und mit dessen Mentalität ich tief verwachsen bin, hat für mich doch keine andersartige Dignität als alle anderen Völker. Soweit meine Erfahrung reicht, ist es auch um nichts besser als andere menschliche Gruppierungen, wenn es auch durch Mangel an Macht gegen die schlimmsten Auswüchse gesichert ist. Sonst kann ich nichts 'Auserwähltes' an ihm wahrnehmen."

Zwar war Einstein für den Zionismus eingetreten. So schrieb er 1932 an Edward M. Freed in New York City: "Ich bin für den Zionismus, weil dies die einzige Bestrebung ist, welche Juden auf der ganzen Welt zu vereinen vermag. Wie weit die Juden eine Rassengemeinschaft sind, ist ohne Interesse. Sicher ist, dass sie eine Schicksalsgemeinschaft sind und dass sie der gegenseitigen Hilfeleistung dringend bedürfen. Ich bin kein Nationalist und wünsche keine Benachteiligung der Araber in Palästina. Die jüdische Einwanderung in Palästina in den praktisch in Betracht kommenden Grenzen kann niemand zu Schaden gereichen. Sie braucht auf keine historischen Ansprüche gegründet zu werden."

Einstein identifizierte sich selbst also eindeutig als Jude - auch wenn er nicht an einen Gott der Juden glaubte und die Bibel für eine Sammlung von alten Legenden hielt. Demnach muss er auch die Vorstellung abgelehnt haben, dass ein jüdischer Gott mit einem jüdischen Stammvater Abraham ein besonderes Bündnis einging, welches jüdische Säuglinge heute noch durch eine Beschneidung besiegeln müssen. Das ist vor dem Hintergrund der Debatte um religiöse Beschneidungen in Deutschland ein interessanter Aspekt: Manche Juden sagen, dieses Ritual sei aufgrund des biblisches Gebots ein unverzichtbarer Bestandteil des Judentums. Aber obwohl Einstein daran ganz offensichtlich nicht glaubte, wurde seine Zugehörigkeit zum jüdischen Volk in Israel nie in Frage gestellt.

Vielmehr ließ Israels Ministerpräsident David Ben Gurion nach dem Tod des ersten Präsidenten Chaim Weizmann 1952 bei Einstein nachfragen, ob er Interesse hätte, dessen Nachfolger zu werden. Der 72-Jährige fühlte sich geehrt, lehnte es jedoch ab, sich zur Wahl zu stellen, da er glaubte, dieser Aufgabe nicht gewachsen zu sein.