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Urzeit:Riesen-Ei unbekannter Spezies in der Antarktis gefunden

Mosasaurier legt Ei

Diese Animation eines chilenischen Künstlers zeigt, wie Mosasaurier Eier gelegt haben könnten.

(Foto: Animation: Francisco Hueichaleo/The University of Texas Jackson School of Geosciences)

Wissenschaftler lüften das Geheimnis um ein eigenartiges Fossil. Haben sich Meeresreptilien der Urzeit anders fortgepflanzt als bisher gedacht?

Von Julian Rodemann

Sieben Jahre lang lag das mysteriöse Fossil in einem chilenischen Museum. Als David Rubilar-Rogerses es 2011 auf Seymour Island vor der Antarktis entdeckt hatte, wusste der chilenische Wissenschaftler nicht, was er da überhaupt gefunden hatte. Er lud Experten aus der ganzen Welt ein, um ihnen das Fossil zu zeigen. Mit seinen 28 Zentimetern Länge und 18 Zentimetern Breite erinnerte es manche Forscher an einen platten American Football, andere nannten es schlicht "das Ding".

Erst 2018 kam die Paläontologin Julia Clarke von der University of Texas auf die Idee, dass "das Ding" ein Ei gewesen sein könnte. Eine ausführliche Studie erschien jetzt in der Fachzeitschrift Nature und bestätigt die Hypothese: Rubilar-Rogerses hatte ein ehemals weichschaliges Ei gefunden - und zwar nicht nur irgendeines: Es ist das bis dato größte bekannte Ei mit weicher Schale und das zweitgrößte überhaupt.

Laut den Forschern ähnelte das circa 68 Millionen Jahre alte Riesen-Ei heutigen Schlangeneiern mit lederner, durchsichtiger Schale. Sie werteten Daten über Körper- und Eiergrößen noch lebender Reptilien aus, um zu schätzen, wie groß die Tiere waren, die aus den Eiern schlüpften. Das Ergebnis: Sie maßen mindestens sieben Meter.

Die Elternschaft ist noch ungeklärt

Wie diese Wesen aber genau aussahen, können die Forscher nicht mit Sicherheit sagen. Wahrscheinlich ist, dass das Riesen-Ei zu Mosasauriern gehört. Mosasaurier sind Reptilien, die einst in den Ozeanen gelebt haben. Paläontologen hatten in der Nähe der Fundstelle bereits Skelette von Mosasauriern aufgespürt - darunter Babys genauso wie ausgewachsene Exemplare.

Einige Forscher gehen deshalb davon aus, dass dort eine Art Geburtsstätte der Tiere war. Allerdings vermutete man bislang, dass urzeitliche Meeresreptilien ihren Nachwuchs lebend zur Welt brachten - ohne Eier.

Andere Wissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass es sich um das Ei einer Saurier-Art handelt, die an Land gelebt hat. Seit einiger Zeit ist bekannt, dass manche Spezies weiche Eier legten. In einem ebenfalls in Nature erschienenen Kommentar mutmaßen Johan Lindgren und Benjamin Kear, dass das Riesen-Ei erst nachträglich ins Meer geraten ist.

© SZ
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