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Ehec in Deutschland:Wo der schnellste Test nicht hilft

Gurken, Tomaten, Salat, Sprossen? Nach wie vor ist unklar, woher die gefährlichen Ehec-Bakterien stammen. Die Menschen sind verunsichert, die Krankenhäuser überfüllt, schon leichte Darmprobleme machen große Angst. Da hilft auch der neue Schnelltest nicht, sondern nur das Wissen um die Symptome der Infektion.

Die Ehec-Gefahr ist noch lange nicht gebannt. Nach wie vor warnen die Gesundheitsbehörden vor Gurken, Tomaten, Sprossen und Salat. Viele meiden das möglicherweise gefährliche Gemüse. Doch die Unsicherheit, ob man den Erreger in sich hat, bleibt. Hat man sich vielleicht bereits infiziert?

Suche nach EHEC-Erreger

Eine Mitarbeiterin des Veterinärinstituts Hannover bereitet den Ehec-Schnelltest vor, der gezielt den gefährlichen Bakterienstamm O104 nachweisen kann.

(Foto: dpa)

Nicht jeder, der in den vergangenen Wochen und Tagen mit Tomaten, Gurken, Salat oder Sprossen in Berührung kam, sollte aus Sorge gleich zum Arzt oder in eine Klinik gehen. Schließlich sind die Krankenhäuser nach wie vor übervoll, Mediziner und Pflegekräfte kümmern sich in speziell eingerichteten Intensivstationen um Ehec-Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf.

Es ist deshalb gut, dass die meisten Bürger, die eine Infektion befürchten, noch immer zuerst den Hausarzt aufsuchen, der sie gegebenenfalls ins Krankenhaus schickt, und dass sie nicht selbst die Notaufnahmen stürmen, wie Masyar Monazahian vom niedersächsischen Landesgesundheitsamts in Hannover sagt.

Ein Verdacht auf eine gefährliche Ehec-Infektion besteht laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei Durchfall mit sichtbarem Blut im Stuhl oder bei akutem Nierenversagen. Bei einigen Personen besteht allerdings eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass eine Ansteckung vorliegen könnte, so dass auch bei Durchfall ohne Blut getestet werden sollte. Das RKI stellt dazu fest: "Der Patient ist direkt mit Herstellen, Behandeln oder Inverkehrbringen von Lebensmitteln befasst oder arbeitet in Küchen von Gaststätten oder sonstigen Einrichtungen mit/zur Gemeinschaftsverpflegung". Auch Menschen, die mit HUS-Patienten Kontakt hatten, gehören zu den Risikopersonen. Außerdem sollte an Ehec gedacht werden, wenn Kinder bis zum sechsten Lebensjahr wegen Durchfalls bereits in ein Krankenhaus eingewiesen wurden. In diesen Fällen wird ein Ehec-Test empfohlen.

Doch nun gibt es einen neu entwickelten Schnelltest. Sollte es da nicht doch möglich sein, bei der Klinik vorbeizuschauen, und sich innerhalb einiger Minuten testen zu lassen? Und entspannt sich die Situation im Norden nicht sogar langsam dank des neuen Testverfahrens?

Ganz so einfach verhält es sich nicht. Auch ist die Bezeichnung Schnelltest etwas irreführend. Denn das Verfahren, das Helge Karch und sein Team am Institut für Hygiene des Universitätsklinikums Münster entwickelt haben, dient nicht dazu, besonders schnell eine Ehec-Infektion festzustellen. Er ermöglicht es den Experten vielmehr, den speziellen Ehec-Erreger schneller zu identifizieren als bisher. Von den Ehec-Keimen gibt es nämlich eine ganze Reihe verschiedener Typen. Und das Verfahren selbst ist nicht wirklich schnell.

Nach wie vor müssen Wissenschaftler die Proben der Patienten in einer Petrischale auf Nährboden ansetzen und einen Tag lang Bakterien anzüchten. Am darauffolgenden Tag wird der Nährboden dann auf die Erregerkeime hin untersucht. Mit Hilfe einer Echtzeit-PCR (Polymerase-Kettenreaktion) wird das Genmaterial aus den Keimen vervielfacht, anschließend werden mit einer sogenannten Gensonde bestimmte Gene, die der Gift- beziehungsweise Toxinproduktion dienen, sowie spezifische Erreger-Gene nachgewiesen.

Bei dem gefährlichen Ehec-Erreger handelt es sich um den Typ O104. Und genau diesen Bakterienstamm kann das Testverfahren nun innerhalb weniger Stunden bestimmen. Und noch einen Vorteil birgt der Test nach Angaben eines Mitarbeiters des RKI: Der Schnelltest kann in Forschungslaboren eingesetzt werden, deren Mitarbeiter bislang nicht über die entsprechende Expertise verfügten. So kann auf breiter Front nach dem gefährlichen Ehec-Erreger gefahndet werden.

Auch bei den gängigen Nachweismethoden handelt es sich um Echtzeit-PCRs und sie werden nach wie vor angewandt - eigene Nährböden, die lange bebrütet werden und nach 36 Stunden erste Ergebnisse liefern. Aber in Kombination mit dem Schnelltest versprechen sie eine höhere Trefferquote. Zudem können mit dem Test auch Lebensmittel untersucht werden. Damit stellt man nicht nur fest, ob etwa Gemüse verunreinigt ist, sondern auch, ob die entdeckten Ehec-Keime tatsächlich mit dem gegenwärtigen Ausbruch zusammenhängen. So wurden auf spanischen Gurken und auf Rote-Beete-Sprossen in den Niederlanden Ehec-Bakterien entdeckt - doch die Keime gehörten zu Stämmen, die nicht für den gegenwärtigen Ausbruch verantwortlich sind.

Der Schnelltest ist demnach ein extrem wichtiges Hilfsmittel, um die Epidemie zu beobachten, zu kontrollieren und somit letztlich auch einzudämmen. Dass die Zahl der Krankheitsfälle gegenwärtig zurückzugehen scheint, liegt aber eher daran, dass Vorsichtsmaßnahmen im Essverhalten berücksichtigt werden, sagt Masyar Monazahian. Außerdem müsse man noch die kommende Woche abwarten, bis endgültige Erkenntnisse über den Rückgang der Erkrankungszahlen feststehen.

Den 2808 Patienten, die dem Robert-Koch-Institut als Ehec-Fälle gemeldet sind, kann der Test zwar nicht mehr helfen. Doch im Kampf gegen den Ehec-Erreger geht es um wertvolle Zeit - Zeit, die Menschenleben retten kann. Für 26 Patienten kommt diese Hilfe leider zu spät.