Ehec-Epidemie in Deutschland Kind stirbt an Ehec

Mehr als 30 Menschen hat der Ehec-Erreger bereits getötet - nun ist auch ein Kind gestorben. Ein zweijähriger Junge in Niedersachsen erlag den Folgen der gefährlichen Infektion. Die Behörden raten weiterhin davon ab, rohe Sprossen zu verzehren - doch noch immer ist unklar, wie der Erreger in die Sprossen kam.

Zum ersten ersten Mal ist ein Kind an dem gefährlichen Darmkeim Ehec gestorben. Ein zweijähriger Junge aus dem niedersächsischen Celle starb an den Folgen des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS), sagte ein Sprecher des Landkreises der Nachrichtenagentur dpa. Bislang war das jüngste vom Robert-Koch-Institut registrierte Opfer in Deutschland 20 Jahre alt.

Die aggressive Form des Ehec-Erregers hat nun auch ein Kind das Leben gekostet: Ein zweijähriger Junge starb an den Folgen des hämolytisch-urämischen Syndroms.

(Foto: dpa)

In der Familie sind laut Cellescher Zeitung sowohl der Junge als auch sein zehnjähriger Bruder und der Vater an Ehec erkrankt. Diese seien aber auf dem Weg der Besserung. Wie sich die Familie angesteckt hat, war zunächst noch unklar.

Zuvor hatte es geheißen, dass bislang 36 Menschen aufgrund einer Ehec-Infektion gestorben seien: 35 Patienten erlagen dem Robert Koch-Institut zufolge in Deutschland den Folgen der Ansteckung, ein weiterer Patient starb in Schweden. Die Zahl der Infizierten insgesamt liegt offiziell bei 3228 Personen, davon leiden 781 am schweren Verlauf mit Nierenversagen - dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS).

Doch obwohl die Zahlen insgesamt extrem hoch sind, gibt die Entwicklung derzeit Anlass zu der Hoffnung, dass die Epidemie zu Ende geht. "Seit einigen Tagen werden Erkrankungen an HUS/Ehec auf deutlich niedrigerem Niveau an das RKI übermittelt", stellte das Institut in Berlin fest. Ob dies eine Folge der Ernährungsempfehlungen der Behörden ist, ist unklar. Möglicherweise ist auch die Infektionsquelle inzwischen nicht mehr so aktiv.

Die Warnung vor dem Verzehr roher Sprossen halten die Experten weiterhin aufrecht, auch wenn in Bayern Ehec-Bakterien auf einem Salat entdeckt wurden. Nach Einschätzung der Experten könnte es sich dabei, ähnlich wie bei den Keimen auf den spanischen Gurken, um einen weniger aggressiven Typ handeln.

Hinweise auf infiziertes Saatgut

Mit solchen Ehec-Bakterien stecken sich jährlich insgesamt zwischen 800 und 1200 Menschen in Deutschland an. Die Keime lösen jedoch eher selten HUS aus. Der Fall belegt einmal mehr, dass Nahrungsmittel immer wieder mit verschiedenen Ehec-Bakterien verunreinigt sind.

Eine genauere Analyse der Umstände auf dem Betrieb im niedersächsischen Bienenbüttel, von dem aus verunreinigte Sprossen ausgeliefert wurden, scheint die Art der belasteten Sprossen offenbar einzuschränken. Demnach verzehrten fünf Beschäftige, die entweder positiv auf Ehec getestet worden waren oder im Mai Erkrankungssymptome gezeigt hatten, bevorzugt die Sprossenarten Brokkoli, Knoblauch und Bockshorn. Die vier gesunden Mitarbeiter aßen hingegen bevorzugt die Sprossenarten Alfalfa und Würzige Mischung.

Die niedersächsische Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU) sagte, das Ergebnis könne ein Hinweis auf eine bestimmte Sprossenart und damit auf einen Ursprung der Infektion durch das Saatgut sein.

Es gilt inzwischen zwar als relativ sicher, dass die Sprossen aus dem Bio-Betrieb eine wichtige Quelle der aktuellen Ehec-Welle darstellten. Noch aber ist unklar, ob der Ursprung in verunreinigtem Saatgut liegt, das dort angekeimt wurde. Das Saatgut, mit dem der Gartenbaubetrieb züchtet, stammt nach Angaben von Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) aus vielen Ländern weltweit. Möglicherweise wurden die Samen im Ausland infiziert und der Erreger blieb in den anwachsenden Sprossen.

Sprossen gut abkochen

Eine andere Möglichkeit wäre, dass eine bereits infizierte Mitarbeiterin die Bakterien auf die Sprossen übertragen hat. Eigentlich gelten Tiere als Ursprung von Ehec-Bakterien, etwa Kühe, in deren Darm sie leben. Inzwischen vermuten einige Experten, dass für den besonders aggressiven Typ Menschen die Hauptwirte sind. Ein Indiz dafür, dass die Keime in Niedersachsen auf die Sprossen geraten sind, ist auch der Fall einer Cateringfirma aus dem Kreis Kasse. Das Unternehmen hatte eine große Familienfeier beliefert, nach der einige Teilnehmer an Ehec erkrankt waren. Sprossen waren allerdings nicht Teil der Lieferung gewesen. Deshalb vermuten die Behörden: "Es besteht die Möglichkeit, dass sich Mitarbeiter zunächst selbst infiziert und danach den Keim wieder auf Lebensmittel übertragen haben", sagte Markus Schimmelpfennig vom Kasseler Gesundheitsamt.

Auf jeden Fall empfiehlt das Bundesamt für Risikobewertung weiterhin, keine Sprossen roh zu verzehren, unabhängig davon, ob sie gekauft oder aus Saatgut selbstgezogen wurden. Wer nicht ganz auf die Keimlinge verzichten will, sollte sie beim Zubereiten gut abkochen. Wie die meisten Erreger von Lebensmittelinfektionen lassen sich Ehec-Bakterien durch Erhitzen abtöten. Im Inneren einer Sprosse muss mindestens zwei Minuten lang eine Temperatur von 70 Grad erreicht werden. Verbraucher sollten Sprossen deshalb am besten zehn Minuten lang entsprechend heiß kochen oder braten.

"Sehr kritisch" stehen die Verbraucherschützer dagegen Silbersprays zur Ehec-Entkeimung von Lebensmitteln gegenüber, wie sie den Angaben zufolge derzeit im Internet angeboten werden. Zum einen fehle der Nachweis dafür, dass solche Mittel den derzeit grassierenden Erregertyp vollständig beseitigen. Zum anderen riskierten Verbraucher möglicherweise ihre Gesundheit, wenn sie zum Beispiel Sprossen auf diese Weise entkeimen wollen.

Silber sei in Lebensmitteln grundsätzlich nur als Farbstoff für Süßigkeiten und Liköre zugelassen, nicht aber für die Desinfektion, erläutert die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. In den Sprays werde zudem eine Form von Silber verwendet, die sich als Nanomaterial ansehen lässt. Von Nanosilber in Lebensmitteln rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) jedoch ab.