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Edelsteine:Hinten im Laden liegen ein paar Gesteinsbrocken. Einige sind Millionen US-Dollar wert

Die smaragdgünen Steine sind besonders begehrt.

(Foto: AFP)

Die größten Vorkommen lagern im Kachin-Staat, der im Norden zwischen China und Indien eingeklemmt ist. Die Bergbaugesellschaften schöpfen alles ab, was irgendwie wertvoll ist. Bewaffnete Gruppen besorgen den Schwarzmarkthandel. Der Bevölkerung bleibt wenig. Im Gegenteil: Landraub, Einschüchterung und Gewalt bedrohen ihre Existenz. Berge werden von allen Seiten durchbohrt, Minenabfälle in Flüsse und Seen geleitet, Waldflächen gerodet; Lebensgefahr durch Erdrutsche ist die Folge. Die Jadeite lagern in den Vorgärten der Bevölkerung - berühren dürfen sie sie nicht.

In den Vitrinen der Händler in Mandalay liegen die kunstvoll verarbeiteten Schmuckstücke fein säuberlich geordnet nebeneinander. Die Strukturen im Hintergrund sind weit weniger durchsichtig. Hpakant in Kachin gilt Jade-Schürfern als Dorado. Die ortsansässige Bevölkerung merkt davon wenig. Ein Bericht der internationalen Nichtregierungsorganisation Global Witness bezeichnet Hpakant als den wertvollsten Ort der Erde. Auf einer kleinen Fläche lassen sich hier Milliarden verdienen. Ein einziges Kilogramm Jade würde ausreichen, um mehrere Krankenhäuser in der Region für ein Jahr zu finanzieren.

Laut Global Witness verkauft das Militär Jade für den Durchschnittspreis von 13 000 US-Dollar pro Kilogramm. In der teuersten Variante steigt der Kilopreis auf bis zu 2,89 Millionen US-Dollar an. Zu den Profiteuren gehören vor allem Angehörige und Günstlinge des Militärs, Drogenbarone sowie bewaffnete ethnische Gruppen. Die Abbaugebiete liegen fast ausschließlich in Konfliktregionen, in denen es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen dem Militär und den Armeen der verschiedenen Ethnien kommt. Der Waffennachschub ist in den entlegenen Gebieten kein Problem - die Jade finanziert die Gewalt. Auch im westlichen Rakhine, der Heimat der vertriebenen muslimischen Minderheit Rohingya, lagern große Jadevorkommen. Kaum eine Zahl für den Wert des myanmarischen Jadesektors ist allerdings verlässlich; zu unklar sind die Strukturen und zu groß ist der Schwarzmarkthandel. Global Witness beziffert den Wert auf 31 Milliarden US-Dollar pro Jahr.

In unmittelbarer Nachbarschaft der Werkstätten verkaufen die Händler in Mandalay Jade für Normalbürger; kunstvoll verarbeitet zu Ohrringen, Armreifen und kleinen Tierfiguren. Die Preise reichen von wenigen Euro bis zu mehreren Tausend für besonders seltene Stücke. In einer Querstraße sitzen vier Chinesen auf tiefen Plastikstühlen, jeder von ihnen hält einen großen Steinklumpen in der Hand. Die Krux mit der Jade ist, dass man ihren genauen Wert nicht abschätzen kann, bevor man den Stein zerteilt. Und das geschieht erst nach dem Erwerb.

"Jadekauf ist wie Glücksspiel", sagt Ko Taik. Mit langen Taschenlampen bewaffnet untersuchen die potenziellen Käufer die Steine, versuchen die Maserung im Inneren auszumachen und geben diskrete Gebote ab. Möglichst kalt muss er sich anfühlen, das zeugt von guter Qualität. Weiter hinten im Laden liegen Gesteinsbrocken von der Größe eines Röhrenfernsehers. Mit der richtigen Struktur liegt der Dollarpreis im Millionenbereich. Jade hat in China Tradition, noch heute werden die Edelsteine mit dem Kaisertum assoziiert. Die wachsende chinesische Mittelschicht ist verrückt nach dem schimmernden Stein - ein Statussymbol.

Negative Begleitumstände und chinesische Exporte sind Tin May nicht gleichgültig. Die eigene Existenzsicherung hat aber Vorrang. Er bearbeitet kostbare Steine - lebt aber von der Hand in den Mund. An seinem Schleifstein nimmt er sich ein neues Stöckchen. "Superkleber", sagt er und befestigt mit einer Paste einen unbearbeiteten Stein an der Spitze. Schwer vorstellbar, dass unter dem matten Grau eine Kostbarkeit schlummern soll. Doch Tin May tunkt die Spitze in ein Wasserbecken und bringt seinen Schleifstein in Bewegung. Vorsichtig führt er das Holz mit dem Jadeit an die Mechanik und erzeugt das gleiche, hohe Kreischen, wie die gut drei Dutzend Schleifer neben ihm. Stück für Stück schimmert tatsächlich das saftige Grün eines Jadesteins hervor.

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