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Edelmetalle:"Schmerzhafte Krämpfe im ganzen Körper"

Ist das Gold erst einmal gehoben, folgt auf die Goldreinigung der Verbrennungsprozess. Das zurückbleibende reine Gold ist meist so groß wie ein Reiskorn - die Tagesproduktion von Amanda und ihren drei Geschwistern. 200 Peso, umgerechnet rund vier Euro, zahlen ihnen die Goldhändler im Dorf dafür. Diese wiederum verkaufen das Gold an andere Mittelsmänner, danach verliert sich seine Spur. "Der Lohn ist gut", sagt Amanda. "Er reicht aus, um Fisch und Reis für meine Familie zu kaufen."

Auf den Philippinen beträgt das Bruttonationaleinkommen pro Kopf rund 300 US-Dollar monatlich, knapp 40 Prozent der Bevölkerung hat laut Weltbank lediglich rund drei US-Dollar am Tag zur Verfügung. Die junge Goldsucherin verarbeitet ihre Ausbeute jeden Tag selbst und atmet dabei hochgiftige Quecksilberdämpfe ein. Um Geld zu verdienen, ruiniert sie ihre Gesundheit, riskiert ihr Leben. Ein hoher Preis. "Am Abend habe ich oft schmerzhafte Krämpfe im ganzen Körper - oder ich fange an, unkontrolliert zu zittern", sagt die 14-Jährige.

Kinderarbeit ist im Goldgeschäft an der Tagesordnung

(Foto: Roxana Duerr)

Offiziell ist Kinderarbeit auch auf den Philippinen verboten. Yuyun Ismawati, Umweltingenieurin und Preisträgerin des Goldman Environmental Prize, weiß jedoch, wie weit hier Gesetz und Realität meist auseinanderliegen: "In Asien und Afrika sieht man oft bereits fünf- oder sechsjährige Kinder, die schwere Arbeiten verrichten, um ihre Familien finanziell zu unterstützen." In dem südostasiatischen Inselreich arbeiten viele Kinder und Jugendliche auch als Goldschürfer in Bergtunneln, manchmal bis zu 70 Meter unter der Erde. Ihre Arbeit ist nicht nur durch das Tragen schwerer Lasten gesundheitsschädlich, sondern vor allem aufgrund der Verwendung von toxischen Chemikalien während der eigentlichen Goldgewinnung.

Juliane Kippenberg von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch bestätigt diese Beobachtung. Sie hat zahlreiche Recherchen im Gold-Kleinbergbau durchgeführt und dabei in vielen Ländern - von Mali über Nigeria und Tansania bis hin zu den Philippinen und Indonesien - speziell im Hinblick auf die Kinderarbeit Parallelen festgestellt: "In all diesen Ländern arbeiten Kinder unter Tage, aufgrund von Armut. Sie gehen deshalb meist nicht zur Schule. Nicht selten sind sie von Unfällen wie Mineneinstürzen betroffen."

Die zweite hier gängige Art der Goldgewinnung ist der Kleinbergbau, der wie das Goldtauchen in Schächten und Tunneln unter Tage betrieben wird. Hierbei wird meist Quecksilber genutzt, um elementares Gold - also ungebundenes, reines Gold - von Eisenerz zu extrahieren. Dabei werden Sand und Schlämme nach dem Waschen mit dem Schwermetall vermischt, das bei Raumtemperatur flüssig ist. Es verbindet sich mit dem enthaltenen Gold zu Amalgam. Diese silberfarbene Legierung wird anschließend erhitzt, das Quecksilber, ein starkes Zell- und Nervengift, verdampft und zurück bleibt kompaktes Rohgold. Statt Quecksilber kommt bisweilen auch Zyanid zum Einsatz, hauptsächlich im industriellen Bergbau.

"Eine besonders gefährliche und problematische Art des Quecksilbereinsatzes ist die sogenannte whole ore amalgamation, die in vielen Ländern Asiens und Afrikas praktiziert wird", erklärt Juliane Kippenberg. "Bei dieser Methode wird der gesammelte Goldschlamm oder -sand in Trommeln gefüllt und mit großen Mengen Quecksilber vermischt." Bedenklich daran ist auch, dass das verwendete hochgiftige Quecksilber meist in Flüssen und Seen landet, das Grundwasser sowie unter Umständen die gesamte Unterwasserwelt vor der Küste samt den Korallen vergiftet - und über die Nahrungsmittelkette auch wieder den Menschen schädigt. Umweltingenieurin Yuyun Ismawati, die derzeit an der Ludwig-Maximilians-Universität in München zum Thema Quecksilber im Gold-Kleinbergbau forscht, weiß, wie fatal der Umgang mit dem Schwermetall für den Menschen ist: "Die gesundheitlichen Folgen sind meist irreversibel. Sie reichen von Schädigungen des Nervensystems und der Motorik bis hin zu Gedächtnisverlust und Persönlichkeitsstörungen."

Seit Jahren kämpft Ismawati gegen den Einsatz von Quecksilber. Dem Quecksilberreport 2013 des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) zufolge verdampfen jährlich weltweit über 700 Tonnen allein durch den Gold-Kleinbergbau. Das sind 30 Prozent aller von Menschen verursachten Quecksilberemissionen. Asien, insbesondere Ost- und Südostasien, verzeichnet daran den größten Anteil. "Hunderte Tonnen Quecksilber werden jährlich nach Indonesien geschmuggelt", sagt Ismawati. "Bedauerlicherweise scheint das unsere Regierung nicht zu kümmern." Und das, obwohl Indonesien - wie rund 90 weitere Staaten - die 2013 von den Vereinten Nationen ausgehandelte "Minamata-Konvention" unterschrieben hat, mit der Quecksilberemissionen weltweit eingedämmt werden sollen. Die meisten Unterzeichnerländer indes haben das Beschlossene noch nicht in nationales Recht umgesetzt.