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E-Zigaretten:Erst Dampf, dann Tabak

E-Zigarette

Ein Dampfer und sein Suchtmittel, die E-Zigarette.

(Foto: Friso Gentsch/dpa)

Elektronische Zigaretten sind für Jugendliche womöglich eine Einstiegsdroge. Sie verdoppelt die Zahl der Teenager, die das Rauchen ausprobieren wollen. Die WHO will die E-Zigaretten nun strenger regulieren.

Von Christoph Behrens

Frank Underwood dampft. "Wir können keinen Vize-Präsidenten haben, der raucht", entscheidet die Frau des Politikers in der US-Fernsehserie "House of Cards", und wirft seine Kippen weg. Daraufhin legt sich Underwood, gespielt von Kevin Spacey, eine E-Zigarette zu. "Sucht ohne die Konsequenzen" nennt er das.

Nach Ansicht von Forschern ist er auch damit kein gutes Vorbild. Denn nicht nur bei Erwachsenen werden solche E-Zigaretten beliebter. In ihnen verdampft eine nikotinhaltige Flüssigkeit, der Dampf wird inhaliert. Auch eine Viertelmillion Jugendliche in den USA haben 2013 erstmals an einer Dampfzigarette gezogen, schreibt die US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in einer Analyse.

Das Brisante: Diese Jugendlichen hatten nie zuvor geraucht, über die E-Zigarette kamen sie also erstmals in Kontakt mit Nikotin. Rund 44 Prozent der jungen Dampfer gaben an, bald auch konventionelle Zigaretten ausprobieren zu wollen. Jugendliche, die keine Erfahrungen mit E-Zigaretten hatten, wollten das nur halb so häufig tun. Die CDC befürchten daher, E- Zigaretten könnten für viele der Einstieg zum Rauchen sein.

Damit widersprechen die Forscher Herstellern von E-Zigaretten. Diese preisen die elektronischen Pfeifen häufig mit dem Argument, sie könnten den Ausstieg aus der Sucht erleichtern. Zudem enthielten sie weniger schädliche Substanzen als konventionelle Zigaretten. Richtig ist, dass beim Dampfen prinzipiell weniger krebserregende Stoffe in den Körper gelangen als beim Inhalieren von Tabakrauch. Die gesundheitlichen Auswirkungen des Nikotindampfs sind jedoch kaum untersucht. Die rasante Entwicklung im E-Zigarettenmarkt bereitet Experten daher Sorgen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert, den Verkauf an Jugendliche zu untersagen und E-Zigaretten aus geschlossenen Räumen zu verbannen. Auch vom Dampfen in der Schwangerschaft rät die WHO dringend ab, da Nikotin dem Ungeborenen schaden kann.

© SZ vom 29.08.2014
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