Duftforschung Gerüchen kann man nicht entkommen

Heimtückisch am Duftmarketing sei, erklärt Hanns Hatt, dass wir den Düften nicht entkommen können: "Ich kann die Augen zumachen oder die Ohren zuhalten, aber ich kann natürlich nicht verhindern, dass ich einen Duft in die Nase kriege. Wir müssen schließlich atmen und mit der Atemluft werden immer Düfte aufgenommen."

Hinzu kommt, dass alles, was wir zusammen mit einem Duft abspeichern, viel stabiler in unserem Gehirn verankert wird, als wenn man einen Reiz nur optisch oder akustisch wahrnimmt. "Düfte haben eine starke Auswirkung auf unsere Emotionen, auf unsere Befindlichkeit und auf unsere Triebsteuerung. Und sie können zugleich auch unglaublich gut, schnell und effektiv Erinnerungen hervorrufen", sagt Hatt.

"Wir müssen deshalb sehr sensibel und verantwortungsbewusst mit dem Duft umgehen", räumt Müller-Grünow ein. "Letztlich ist es aber ein Medium wie andere auch." Diese Ansicht teilt Hatt: "Das Marketing versucht natürlich, uns mit Düften zu beeinflussen. Aber wenn man ehrlich ist, benutzt es alle Sinnesreize und wir sollten nicht glauben, dass die Verpackung einer Dose Gemüse im Supermarkt völlig willkürlich ist."

So weit, ihre "E-Nose" im großen Stil einzusetzen, sind die Forscher um Andreas Schütze allerdings noch nicht. Aber im Vergleich zu anderen Messverfahren hat ihr System einen Vorteil, wie Schütze betont. Ihr Verfahren beruht auf einem einzigen, sehr empfindlichen Breitband-Gassensor, der auf fast jede denkbare Gaskomponente reagiert. "Wir nutzen tatsächlich für Schweiß- und Windelgeruch bis hin zu einer Aromabestimmung bei Lebensmitteln immer den gleichen Sensor", erläutert Schütze.

Die Gegenstände, deren Geruch gemessen werden soll, kommen in eine Kammer, die frei ist von anderen, störenden Geruchskomponenten. Von dort aus wird der "Duft" abgesaugt und an den Gassensor weitergeleitet. Der aber kann nicht allein entscheiden, was gut oder schlecht riecht.

"Wir brauchen natürlich immer noch die Rückkopplung über menschliche Testschnüffler", sagt der Duftforscher. Mit ihrer Hilfe wird das chemische System des Sensors auf einen bestimmten Geruch hin trainiert, damit es den komplexen Geruchseindruck des Menschen auch eindeutig widerspiegelt.

Eine Nasenlänge voraus

Das funktioniert bereits gut, sagt Schütze. Im Gegensatz zu anderen Systemen sei auch die Stabilität der "E-Nose" eine bessere. Denn bislang müssen solchen Sensoren immer wieder Referenzgerüche angeboten werden, damit sie neue Gerüche bewerten können. "Häufig muss man eine Woche lang vorbereiten, bevor man dann ein paar Stunden lang messen kann", erklärt Schütze. "Das ist kommerziell nicht tragfähig."

Schützes "elektronische Nase" ist den anderen Systemen da eine Nasenlänge voraus: Bei der Bewertung des Schweißgeruchs in Schuhen musste das Team aus Saarbrücken über vier Wochen nicht nachkalibrieren.

Ein wesentlicher Vorteil gegenüber älteren ähnlichen Verfahren sei vor allem, dass der Sensor bei jeder einzelnen Messung die Gaskomponenten bei vielen verschiedenen Temperaturen misst.

So entsteht ein Muster, das die Wissenschaftler dann mit Hilfe der Daten der menschlichen Testschnüffler interpretieren. Ältere Systeme hatten dazu mehrere Sensoren benötigt. Da solche Sensoren altern, verändern sich ihre Signalmuster mit der Zeit - sie werden ungenau.

Für ihren einzelnen Sensor müssen die Saarbrücker Forscher deshalb jeweils Teile der Signalmuster identifizieren, die lange stabil bleiben. "Wenn unser Sensor altert, dann verändert sich auch das Signalmuster, aber es kommt letztlich alles aus einer Quelle", erklärt Schütze. "Wir versuchen in der Entwicklung diese Alterung mitzusimulieren."

Wann sich die "elektronische Nase" einsetzen lässt, hänge auch von der jeweiligen Aufgabenstellung ab, so Schütze. Bei einfachen Anwendungen würden heute bereits ähnliche Verfahren eingesetzt. Doch bis Schützes Technik sich in der Medizin, dem Duftmarketing oder der Lebensmittelkontrolle einsetzen lässt, "muss sicherlich noch eine Menge Hirnschmalz reingesteckt werden".