Trockenheit:Droht wieder eine Dürre?

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Trockenheit: Eine Pflanze in einem ausgetrockneten Feld im Oderbruch.

Eine Pflanze in einem ausgetrockneten Feld im Oderbruch.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

In Teilen Deutschlands hat es im Frühjahr sehr wenig geregnet. Vor allem für die Wälder bleibt das ein Problem.

Von Christoph von Eichhorn

Jetzt muss auch die Waldheidelbeere kämpfen. Dem Kleinstrauch gehe es nicht gut, meldete die Zeitung Freies Wort aus Südthüringen vor wenigen Tagen: "Statt der grünen, vitalen Verästelungen gibt es an verschiedenen Standorten Bestände, die rötlich-braun mickern oder völlig verdorrte, graue Felder hinterlassen". Viele Faktoren setzten der Heidelbeere zu, etwa die Faule Grete, eine Wanze, die ihre Eier an der Unterseite der Blätter ablegt. Oder allzu aggressive Sammler. Ein Grund aber auch: die anhaltende Trockenheit in der Region.

Besonders im Osten und im Norden Deutschlands hat es in den vergangenen Monaten verbreitet sehr wenig geregnet. Im März fiel deutschlandweit gerade ein Drittel der üblichen Niederschläge, laut Deutschem Wetterdienst (DWD) zählte dieser März zu den trockensten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Schuld "waren ausgedehnte Hochdruckgebiete, die in manchen Regionen, besonders im Nordosten, die Regenmesser regelrecht einstauben ließen", schreiben die Meteorologen zur Erklärung. Auffällig sind auch die vielen Waldbrände, vor allem in Brandenburg. Dort brannte es seit Beginn der Saison bereits mehr als hundert Mal auf Waldflächen.

"Im Norden und Osten haben einige Regionen in den vergangenen Wochen gar keinen Regen abbekommen. Dort sind vor allem die oberen 30 Zentimeter des Bodens sehr ausgetrocknet", sagt Andreas Brömser, Agrarmeteorologe beim DWD. Ausgedehnte Trockenheit im Frühjahr könne manchen Landwirten Probleme bereiten, so der Experte. Frisch ausgesäte Pflanzen wie Zuckerrüben, Soja und Mais haben dann häufig noch zu kurze Wurzeln, um sich aus tieferen Bodenschichten mit Wasser zu versorgen. Wenn es nicht bald ausreichend regne, sei in Regionen nördlich des Mains mit Ernteeinbußen zu rechnen, warnte kürzlich der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied. Feldfrüchte, die schon im vorigen Herbst gesät wurden, wie Winterweizen, Raps oder Gerste, konnten sich dagegen vermutlich noch aus tieferen Schichten gut mit Wasser versorgen.

"Das Bodenwasserdefizit hat sich hier nie wirklich aufgefüllt"

Droht also wieder ein Dürrejahr, wie schon 2018, 2019 und 2020? "Das lässt sich noch nicht absehen", sagt Brömser. Der Agrarmeteorologe weist aber darauf hin, dass sich die meteorologische Lage in den letzten Wochen wieder etwas entspannt hat. So fielen im April laut DWD wieder leicht überdurchschnittliche Niederschlagsmengen. Und zuletzt gab es auch im Norden verbreitet Niederschläge. In den nächsten Tagen sind weitere Schauer und Gewitter angesagt, "insgesamt sieht es nach einer leichten Entspannung aus", sagt Brömser. Im Süden und Südosten ist der Boden ohnehin über das Frühjahr recht feucht geblieben.

Die aktuelle meteorologische Lage sei für die Entwicklung einer Dürre gar nicht so entscheidend, erklärt Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. "Es ist ein Mix aus Niederschlägen, Böden und Temperaturen, der bestimmt, welche Schäden Trockenheit verursacht." So weist Marx daraufhin, dass sehr starke Regenfälle, wie sie in der warmen Jahreszeit öfter auftreten, häufig gar nicht tiefere Erdschichten erreichen, da sie zuvor schon oberirdisch abfließen, in Gewässer oder in die Kanalisation.

Umgekehrt müssen unterdurchschnittliche Niederschläge nicht zwingend ein Problem bedeuten, wenn der Boden stimmt. So gebe es im Regenschatten des Harz sehr gute, tonhaltige Böden, die lange Wasser speichern könnten. In den von den Eiszeiten aufgelockerten Böden in Bayern sickere das Wasser dagegen schneller ab, wenn es länger nicht geregnet hat. Welchen Stress die Pflanzen erleben, hängt auch stark davon ab, ob es Hitzewellen mit hohen Temperaturen gibt. "Hitze führt dazu, dass viel Wasser über Verdunstung verloren geht", sagt Marx. Die Pflanzen pumpen bei hohen Temperaturen Wasser über die Wurzeln in die Blätter, um sich zu kühlen - der Boden trocknet schneller aus.

In Nordrhein-Westfalen starb innerhalb von drei Jahren ein Viertel der Fichtenwälder ab

Schon länger zu beobachten ist das in einem Band von Niedersachsen über Sachsen-Anhalt bis Brandenburg und Sachsen, wo der Dürremonitor des UFZ in einer Tiefe von 1,8 Metern derzeit eine "außergewöhnliche Dürre" anzeigt. "Dieser Streifen ist besonders, weil sich das Bodenwasserdefizit hier nie wirklich aufgefüllt hat", sagt Marx. "Da ist die Dürre, die 2018 eingesetzt hat, noch immer dasselbe Ereignis."

Die schlimmsten Folgen der damaligen Dürre dürfte die Landwirtschaft schon hinter sich haben - hier zeigten sich 2018 die größten Ertragseinbußen. Anders in den Wäldern, wo sich die Schäden langsam aufbauten, dann aber massiv sichtbar wurden. So berichteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Februar, dass von Anfang 2018 bis April 2021 in Deutschland eine Fläche von 500 000 Hektar von Baumverlusten betroffen war. Die Schäden hatten die Forscher anhand von Satellitenbildern vermessen. Der Verlust entspreche fast fünf Prozent der gesamten Waldfläche "und ist damit erheblich höher als bisher angenommen", so das DLR in einer Mitteilung.

Vor allem die Nadelwälder in der Mitte Deutschlands waren laut der DLR-Analyse betroffen, von der Eifel über das Sauerland, den Harz und Thüringer Wald bis in die Sächsische Schweiz. In Nordrhein-Westfalen starb innerhalb von drei Jahren ein Viertel der Fichtenwälder ab. Zwar habe es 2021 eine leichte Erholung in den Wäldern gegeben, sagt Marx, in dem trockenen Streifen Mitteldeutschlands setzten sich die Schäden aber fort. "Diese Prozesse verlaufen langsam, eine Erholung dauert Jahre."

Zumindest gibt es begründete Hoffnung, dass die Dürre von 2018 bis 2020 eine Ausnahme darstellt. So wies eine Forschergruppe des UFZ kürzlich nach, dass es sich um das heftigste Dürreereignis seit mehr als 250 Jahren handelte. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts habe sich keine Dürre so großflächig und so hohen Temperaturen über Europa ausgebreitet. Allerdings hänge es wesentlich von der künftigen Entwicklung der Erderwärmung ab, wie heftig Dürren in Zukunft ausfallen.

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