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DNS-Test zur Identifizierung Bin Ladens:Ein bisschen Platz für Verschwörungstheorien

Anhand seines Erbguts wollen die USA Bin Laden identifiziert haben. Doch womit wurde seine Probe verglichen? Und überhaupt: DNS-Vergleiche liefern lediglich eine Wahrscheinlichkeit. Wie aussagekräftig ist der vermeintliche Todesbeweis?

Man muss nicht wie Robert Alan Goldberg Experte für Verschwörungstheorien sein, um Gerüchte zum Tod Osama bin Ladens voraussehen zu können. "Es wird einige Tumulte um die Frage geben, ob Bin Laden wirklich tot ist", prophezeit der Geschichtsprofessor Goldberg, der ein Buch über Verschwörungstheorien geschrieben hat.

OSAMA BIN LADEN

Zu 99,9 Prozent ist sich die US-Regierung sicher, bei der Kommandoaktion im pakistanischen Abbottabad Al-Qaida-Führer Osama bin Laden getötet zu haben. (Archivbild)

(Foto: AP)

Allerorten keimen angesichts fehlender Beweisfotos bereits Zweifel an der Darstellung der US-Regierung auf - nicht nur in einer Erklärung der Taliban im Internet. Auch manche Genetiker säen sie.

Blutsverwandte gibt es zuhauf

Die US-Regierung gibt sich sicher: Eine der Ehefrauen soll den Erschossenen vor seinem Tod noch Osama gerufen haben, moderne Gesichtserkennungsmethoden hätten ihn als den Al-Qaida-Führer identifiziert, seine für pakistanische Verhältnisse erstaunliche Körpergröße von 1,93 Meter dürfte auch dazu beigetragen haben - und schließlich der Test seiner DNS, der der US-Regierung zufolge "99,9-prozentige Sicherheit" geliefert habe.

Aber wie kommen die USA überhaupt an DNS-Proben, die eine solche Aussage erlauben?

Da die Erbsubstanz bisher nicht auf Mikrofilm im Reisepass gespeichert ist, lässt sich ein Verstorbener immer nur per DNS-Vergleich identifizieren - entweder mit einer eigenen Probe aus früheren Zeiten oder mit der eines Angehörigen.

Nun gibt es Blutsverwandte von Osama bin Laden zuhauf: Auf etwa 50 Halbgeschwister bringt es der gebürtige Saudi dank seines polygamen Vaters, er selbst hat mit fünf Frauen 24 Kinder gezeugt. Vollgeschwister allerdings hat Bin Laden keine - und das mache eine DNS-Identifizierung mit einer Sicherheit von 99,9 Prozent schwierig, sagen Experten.

Wenn die DNS eines Halbgeschwisters zum Abgleich verwendet werde, liege die Beweiskraft der üblichen Tests nur bei gut 90 Prozent, sagt etwa die forensische Genetikerin Rhonda Roby, die die Identifizierung der Opfer nach den Anschlägen vom 11. September 2001 leitete. Proben mehrerer Halbgeschwister würden die Gewissheit zwar vergrößern, aber 99,9 Prozent lieferte bei den etablierten Verfahren nur die DNS des Verstorbenen selbst oder seiner Verwandten ersten Grades - also die von Eltern, Vollgeschwistern oder leiblichen Kindern.

Das Erbgut "verschiedener Verwandter" habe geholfen, ließ die US-Regierung nur verlauten. Um wen es sich handelte, sagte sie nicht.

US-Medien berichteten zwar, es sei Gehirnmaterial einer Halbschwester verwendet worden, die vor einem Jahr im Massachusetts General Hospital an einem Hirntumor gestorben ist. Eine Kliniksprecherin wies dies jedoch zurück: "Es gibt nicht einmal einen Beleg dafür, dass sie überhaupt hier war", sagte sie.

Tatsächlich aber scheinen die USA schon seit 2001 Erbgutproben von Bin Ladens Verwandtschaft zu sammeln. Viele seiner Halbgeschwister gelobten, bei der Suche nach ihrem Halbbruder zu helfen.