PaläontologieRiesiges Maul, schwacher Biss

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Nicht Tyrannosaurus rex, sondern Spinosaurus gilt als größter Raubsaurier, der jemals gelebt hat – hier eine Nachbildung vor einer Ausstellung in Dachau.
Nicht Tyrannosaurus rex, sondern Spinosaurus gilt als größter Raubsaurier, der jemals gelebt hat – hier eine Nachbildung vor einer Ausstellung in Dachau. (Foto: Toni Heigl/Toni Heigl)
  • Britische Wissenschaftler untersuchten 18 Schädel fleischfressender Dinosaurier und stellten fest, dass nicht alle Arten trotz zunehmender Größe eine stärkere Beißkraft entwickelten.
  • Tyrannosaurus rex und verwandte Arten entwickelten eine stärkere Kaumuskulatur für zermalmende Bisse, während Allosaurus und Spinosaurus eher auf schlitzende oder reißende Bisse spezialisiert waren.
  • Die Studie deutet auf eine Vielfalt an Fressstrategien bei riesigen Fleischfressern hin, was auf weniger Konkurrenz und stärkere Spezialisierung in Dinosaurier-Ökosystemen schließen lässt.
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Viele fleischfressende Dinosaurier wurden im Laufe der Zeit immer größer, ihre Beißmuskeln aber nicht. Wie sie trotzdem ihre Beute erlegen konnten.

Nicht alle Fleischfresser unter den großen Dinosauriern hatten einen kräftigen Biss. Während Tyrannosaurus rex nahezu alles mit seinem Gebiss zermalmen konnte, brachten Allosaurus, Spinosaurus und ihre Verwandten sehr viel weniger Kraft beim Beißen auf. Zu diesem Ergebnis kommen britische Wissenschaftler nach der Analyse von 18 Dinosaurierschädeln mit dreidimensionalen Verfahren wie Computertomografie und Oberflächen-Scanning.

Die untersuchten Schädel stammen allesamt von fleischfressenden Dinosauriern aus der Gruppe der Theropoden. Vertreter dieser Gruppe bewegten sich auf zwei Beinen fort, von diesen Tieren stammen auch die heutigen Vögel ab.

Die ersten Dinosaurier im Erdzeitalter Trias (vor 252 bis 201 Millionen Jahren) waren noch recht klein. Bis zum Ende der Kreidezeit (vor 145 bis 66 Millionen Jahren) entwickelten sich immer größere Arten – nicht nur riesige Pflanzenfresser, sondern auch große schwere Fleischfresser: Das Gewicht des Spinosaurus aegyptiacus, dessen Schädel untersucht wurde, wird auf 7,4 Tonnen geschätzt. Nur etwas weniger soll der Tyrannosaurus rex gewogen haben.

Andre Rowe und Emily Rayfield von der University of Bristol untersuchten in einer Studie, die nun im Fachmagazin Current Biology erschienen ist, wie sich die mechanische Belastung für den Schädel durch das Zubeißen bei zunehmender Körpergröße verändert hat. Dazu versendeten sie Schädelmodelle, die sie durch 3D-Techniken erstellt hatten.

Mehrere Arten schlitzten ihre Beute auf, statt sie zu zermalmen

Bei Allosaurus, Spinosaurus und ihren Verwandten stellten die Forscher fest, dass die Belastung mit zunehmender Schädelgröße zumindest nicht weniger wurde und sich bei einigen Arten sogar verringerte. Dagegen stieg die Belastung beim Tyrannosaurus und verwandten Arten mit der Größe: Der Grund: Diese Tiere entwickelten eine stärkere Kaumuskulatur.

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„Tyrannosaurier entwickelten Schädel, die auf Kraft und zermalmende Bisse ausgelegt waren, während andere Linien vergleichsweise schwächere, aber spezialisiertere Schädel hatten“, wird Rowe in einer Mitteilung des Verlags zitiert. Das deute auf eine Vielfalt an Fressstrategien selbst bei enormer Größe hin, denn Allosaurus und Spinosaurus konnten eher schlitzende oder reißende Bisse ausführen.

Rowe vergleicht das Fressverhalten der Tyrannosaurier mit dem von Krokodilen, die ebenfalls über eine enorme Beißkraft verfügen. Das Jagdverhalten des Allosaurus hingegen erinnert ihn an heutige Komodowarane, die recht schwerfällig sind und ihrer Beute auflauern, um sie überfallartig zu schnappen.

„Diese biomechanische Vielfalt deutet darauf hin, dass Dinosaurier-Ökosysteme ein breiteres Spektrum an riesigen Fleischfressern ermöglichten, als wir oft annehmen, mit weniger Konkurrenz und stärkerer Spezialisierung“, sagt Rowe.

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