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Die Folgen des Klimawandels:Das Kyoto-Protokoll genügt nicht mehr

Jetzt darf es nur noch um zwei Dinge gehen: Erstens darum, dass das Wetter tatsächlich nicht länger durch Treibhausgase immer extremer wird, sondern dass die Emissionen abnehmen. Diese Forderung ist alt. Nur sind wir ihr bislang überhaupt nicht nachgekommen, vor allem nicht global. Die Emissionen steigen und steigen und es ist fraglich, ob es uns gelingen wird, die Erderwärmung auf jene maximal zwei Grad zu beschränken, von denen die Wissenschaftler hoffen, dass sie das Weltklima verkraftet.

Die Industrieländer aber lehnen weiterhin die historische Verantwortung für den Klimawandel ab, obwohl der größte Anteil des zusätzlichen Kohlendioxids in der Atmosphäre aus ihren Schloten stammt. Und die Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien beanspruchen zu Recht mehr Wohlstand für ihre Bevölkerungen und wiederholen deshalb viele Fehler der Industrieländer.

Zum Zweiten geht es darum, Länder, die von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen sind, zu unterstützen. Dafür gibt es bereits das Versprechen der Industrienationen, 100 Milliarden Dollar pro Jahr für den Green Climate Fonds zur Verfügung zu stellen, um insbesondere den Entwicklungsländern zu helfen. Aber genau wie bei der Diskussion um die Reduzierung der Treibhausgasemissionen möchte hier kein Land seiner Bevölkerung eine größere Belastung zumuten.

Wer also reduziert wie viel Emissionen? Wer gibt wie viel Geld für die Schutzmaßnahmen in anderen Ländern? Es ist zu befürchten, dass die Delegierten auf diese Fragen auch diesmal keine vernünftigen Antworten finden werden.

Ganz zu schweigen davon, dass die einzig gerechte Lösung Realität werden könnte. Gleiche Emissionsrechte für alle Länder - und zwar pro Einwohner. Derzeit bläst zwar China die weltweit größte Menge CO2 in die Luft. Seine Einwohner haben jedoch pro Kopf deutlich weniger zu verantworten als etwa jeder Deutsche oder US-Amerikaner. Obwohl die Forderung nach gleichen Emissionsrechten für alle von Indien wiederholt gestellt wurde und sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel 2007 sie als G8-Präsidentin unterstützte, ist sie auf den Weltklimakonferenzen nie ernsthaft diskutiert worden. Dabei wären damit Klimasünder wie die USA gezwungen wären, ihre Emissionen so weit zu reduzieren, dass der Ausstoß endlich auch global gesehen zurückgehen würde.

Stattdessen geht es seit 1997 - seit das Kyoto-Protokoll verabschiedet wurde - darum, dieses Protokoll um- und fortzusetzen, obwohl es ganz offensichtlich nicht ausreicht. Die globalen Kohlendioxidemissionen haben trotz der Beschränkungen, die sich eine Reihe von Ländern im Rahmen des Kyoto-Protokolls selbst auferlegt haben, nicht ab-, sondern dramatisch zugenommen.

Das Kyoto-Protokoll war Ende der 1990er Jahre ein Durchbruch, da sich große Teile der Weltgemeinschaft erstmals überhaupt verpflichteten, das Klima mit konkreten Maßnahmen zu schützen. Doch lediglich eine Reihe von Industrieländern hat das Protokoll ratifiziert, während wichtige Länder wie die USA und Schwellenländer wie China und Indien sich nicht beteiligen. Kanada, Russland, Japan und Neuseeland sind aus dem Protokoll sogar wieder ausgetreten. Die noch immer beteiligten Länder sind nur für etwa 15 Prozent der globalen Kohlendioxidemissionen verantwortlich.

Inzwischen braucht die Weltgemeinschaft eine echte Alternative zu dem Protokoll mit seinen ganz offensichtlich untauglichen Mitteln. Das Abkommen von Kyoto hat vor allem dazu geführt, dass alle Beteiligten darum feilschen, möglichst wenig für den vereinbarten gemeinsamen Kampf gegen den Klimawandel beizutragen. Es ist Zeit für einen Weltklimavertrag, dem dann endlich auch Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien, aber auch Industrieländer wie die USA und Kanada zustimmen können. Ein Abkommen, bei dem sich niemand übergangen oder gar übervorteilt fühlt.

Vielleicht fällt es den Delegierten angesichts der Katastrophe auf den Philippinen leichter, diesen Gedanken zu akzeptieren. Die Hoffnung ist allerdings gering und die Zeit bis zur entscheidenden Klimakonferenz 2015 in Paris nur noch kurz.

© Süddeutsche.de/dmo/gal/bavo

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