Insekten "Bienen sind sehr hygienisch"

Sobald es wärmer wird, fliegen die Bienen wieder.

(Foto: dpa)

Wie verbringt eine Honigbiene die ersten Frühlingstage? Das weiß Imker Peter Maske. Er erklärt, was jeder Einzelne für die Bienen tun kann und warum er das Volksbegehren nicht nur positiv sieht.

Interview von Johanna Kuroczik

Wärme und Sonnenschein treiben in diesem Jahr nicht nur die ersten Pollen bereits Mitte Februar in die Luft, sondern auch die Honigbienen aus ihren Stöcken. Für die jungen Bienen ist es der erste Orientierungsflug. Sie erkunden die Landschaft und prägen sich Häuser, Bäume und Bäche ein. Dann suchen sie die Umgebung nach den ersten Pollen ab. "Das pflanzliche Eiweiß des Blütenstaubs lässt Bienen jubeln", sagt Peter Maske, der seit elf Jahren der Präsident des Deutschen Imkerbundes ist. So sehr er sich auch darüber gefreut hat, wie sehr vielen Menschen der Artenschutz am Herzen liegt, er bezweifelt, dass es hilfreich sein wird, den Bauern per Gesetz vorzuschreiben, was sie anzubauen haben.

Herr Maske, was sehen sie derzeit in ihrem Garten?

Peter Maske: Ich habe vier Überwinterungsvölker mit jeweils etwa 10 000 Tieren pro Stock. Morgens ist es ihnen noch zu kalt, aber am Vormittag, wenn es wärmer wird, fliegen sie aus. Dafür muss es mindestens sieben Grad warm sein. Die Bienen höseln auch schon - so nennt man es, wenn sie an den Beinen ein Pollenpaket tragen.

Interview am Morgen

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Welche Pflanzen produzieren denn schon im Februar Pollen?

Schneeglöckchen zum Beispiel, Krokusse und Haselnusssträucher, die schon wieder den Allergikern zu schaffen machen.

Wie verleben Bienen die kalte Jahreszeit?

Im Winter verlassen sie den Stock nicht. Im Mittelpunkt hält sich die Königin auf, da herrschen konstant 35 Grad - auch bei minus 20 Grad Außentemperatur. Die Bienen kuscheln, das heißt sie rücken ganz eng aneinander. Sie vibrieren mit ihren Muskeln, um Wärme zu erzeugen. Wenn sich ein Tier innen aufgewärmt hat, wechselt es nach außen, die kalten Bienen wandern vor zur Mitte. Das geht natürlich nur mit flüssigem Honig als Brennstoff und genügend Tieren. Im Gegensatz zu anderen Tieren brauchen Bienen die Massenhaltung gewissermaßen.

Sterben die Bienen im Winter nicht?

Es ist wichtig, dass sich die Bienen im Herbst mit vielfältigen Pollen ein Fettpolster angefuttert haben. So überleben sie bis zum Frühjahr, also rund sechs Monate statt der sechswöchigen Lebenszeit der Sommerbienen. Ende Januar legt die Königin ein Brutnest an. Es dauert 21 Tage, bis aus einem Ei eine neue Biene geboren wird. Nach Stockdienst, Wachdienst und Sammeldienst lösen die jungen Bienen die Winterbienen ab. Im März ist deren Totenfall. Die jungen Bienen tragen die verstorbenen aus dem Stock. Bienen sind sehr hygienisch.

Ist es gut für die Bienen, wenn es im Februar schon so warm ist?

Im Grunde ja. Es hängt aber davon ab, wie das Wetter im März wird. Ein paar kalte Tagen stören die Bienen nicht. Wenn es aber wochenlang kalt ist, verhungern die Insekten. Sie hören nicht auf, die Brut zu wärmen und holen für sich selbst kein Futter, auch wenn das nur ein paar Waben entfernt liegt. Man kann in der Not als Imker Flüssigfutter direkt über die Brut geben. Jetzt können sich die Bienen aber erst mal freuen.

Was kann man denn in seinem Garten oder auf dem Balkon Gutes für die Bienen tun?

Jeder kann in seinen Garten schauen, dass da vor allem in Sommer und Herbst was blüht. Im Herbst hat besonders die Herbstaster eine lange Blütezeit. Bartblumen blühen strahlend blau und sind echte Bienenmagneten. Am Zierlauch können sich die Insekten besonders gut mit Eiweiß versorgen. Bienen lieben auch Rosen und Lavendel! Der hält Läuse fern. Auch Gewürze wie Thymian oder Majoran eignen sich für den Blumenkasten. In jeden bienenfreundlichen Garten gehört außerdem eine Königskerze. In den abgestorbenen Stängeln können Wildbienen nisten, die sich auch über Nisthilfen aus gut abgelagertem Holz freuen.

Und von welchen Pflanzen sollten die Gärtner lieber die Finger lassen?

Von den Geranien! Die sieht man leider häufig in Blumenkästen, aber davon haben die blütenbesuchenden Insekten nichts.

Haben Sie sich über den Volksentscheid gefreut?

Ja und Nein. Ich freue mich, dass sich so viele Menschen eine Blühvielfalt in der Natur wünschen. Aber ich halte ein Gesetz nicht für den besten Weg. Durch gezielte Förderpolitik sollte der Staat für die Landwirte Anreize schaffen, statt ihnen vorzuschreiben, was sie anzubauen haben.

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