bedeckt München 15°
vgwortpixel

Deutscher Bauerntag:Im Felde unbesiegt . . .

. . . aber auch wegen einer verfehlten Politik um die Existenz gebracht: die Bauern in Deutschland. Es ist Zeit, die ökologische Bewirtschaftung stärker zu unterstützen.

Das Wahlplakat stammt noch aus der Anfangszeit der Grünen. Es zeigt einen Pfarrer, der ein Grüpplein von Landwirten nebst ihren Traktoren segnet, und ist überschrieben mit der markigen Feststellung: "Der deutsche Bauer - im Felde unbesiegt." Schon damals aber ließ sich mühelos der Gedanke anfügen: Im Felde unbesiegt, ja, aber was kann sich der deutsche Bauer für diesen Lorbeer kaufen? Die Verdrängung vor allem der kleinen, von Familien bewirtschafteten Höfe war in vollem Gang, viele von ihnen hatten keine Zukunft mehr.

Klassenkampf auf dem Acker

Der Bauernverband sollte dafür kämpfen, dass die Mitgliedstaaten der EU ermächtigt sind, einen wesentlich größeren Teil des Geldes zur ökologischen Bewirtschaftung umzuschichten.

(Foto: ddp)

Um die Zukunft des traditionsreichen Berufsstands geht es auf jedem Deutschen Bauerntag, auf diesem ganz besonders, denn zwei Tage lang dreht sich in Berlin fast alles um die Reform der europäischen Agrarpolitik, um den großen Rahmen für Zeit nach 2013. Die üblichen, je nach Tonlage verzweifelt oder trotzig klingenden Appelle an die Bundesregierung und Richtung Brüssel ändern aber nichts an der Tatsache, dass die Sonderrolle der Landwirtschaft im Wirtschaftsgefüge nicht mehr mit den herkömmlichen Argumenten zu rechtfertigen ist. Die autarke Versorgung eines Landes ist in von Frieden und weitgehend offenen Märkten geprägten Regionen so anachronistisch wie der Rückgriff auf das, was einmal als "deutscher Nährstand" bezeichnet wurde. Bäuerliche Betriebe zu erhalten, schlicht und einfach, weil es einheimische Bauern geben muss - so schlicht sind die hohen Subventionen nicht zu begründen.

Der Weg ist vorgezeichnet, und je früher der immer noch mächtige Bauernverband die Wegmarken setzt, desto besser ist seine Klientel gerüstet. Der Weg führt in eine Zukunft, die von Marktmechanismen und einer ökologischeren Landwirtschaft geprägt ist. Das bedeutet nicht das Ende der Subventionen, aber ihre dominierende Ausrichtung auf das wertvolle Gut, das die Bauern anbieten können: sauberes Wasser, fruchtbarer Boden, Bindung von Treibhausgasen und Erhaltung der Vielfalt von Flora und Fauna, ohne die Evolution, also auch der Fortschritt der Menschheit, unmöglich ist.

Es ist eine Tatsache, dass die konventionelle Landwirtschaft auch in Europa das Gegenteil bewirkt. Sie trägt nicht unerheblich zum Klimawandel bei und ist eine erhebliche Ursache für den Verlust von Arten in Flora und Fauna. Viele der intensiv bewirtschafteten Böden sind humusarme Substrate und deshalb auf ständige Nährstoffzufuhr angewiesen. Weltweit führt die Zunahme der Ackerflächen zu dem kuriosen Ergebnis, dass fruchtbarer Boden abnimmt. Darauf hat der Sachverständigenrat für Umweltfragen hingewiesen und zu Recht die Frage aufgeworfen: Muss das mit öffentlichem Geld gefördert werden?

Markt und Ökologie, das heißt, nicht auf immer und ewig an Steuerungsinstrumenten wie der Milchquote festzuhalten, die keinen Unterschied macht, ob einer nun seine Rinder das ganze Jahr im Stall hält oder im Sommerhalbjahr auf Allgäuer Wiesen weiden lässt. Statt dessen sollten verstärkt diejenigen für ihren Wettbewerbsnachteil belohnt werden, die zusätzlich zu einem Nahrungsmittel noch ein öffentliches Gut bereitstellen, indem sie die Kulturlandschaft erhalten und nicht zum Klimawandel beitragen. Dafür sollte sich der Bauernverband bei der Reform der europäischen Agrarpolitik einsetzen oder, wenn ein Konsens darüber nicht zu erzielen ist, zumindest dafür kämpfen, dass die Mitgliedstaaten ermächtigt sind, einen wesentlich größeren Teil des Geldes zur ökologischen Bewirtschaftung umzuschichten.

Ohne Subventionen ist die europäische Landwirtschaft sowieso nicht zu erhalten. Dann müssen die Mittel wenigstens zum Nutzen der Umwelt dienen, in der und von der die Menschen leben. Ein "Weiter so!", eine nur an Hektarzahlen orientierte Förderpolitik führt über kurz oder lang dazu, dass der Bauer zwar im Felde unbesiegt ist, aber vom Rest der Gesellschaft ignoriert wird.