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Deutsche Polarstation Neumayer III:Auf Eis gebaut

Leben wie auf einem fremden Stern: Nach zehnjähriger Planung und zwölf Monaten Bauzeit wird die deutsche Polarstation Neumayer III eingeweiht.

Hanno Charisius

Am Mittwoch war der Himmel blau über Mathias Zöllners Arbeitsplatz - klare Luft, nur ein paar Wolken. Gutes Wetter für einen Umzug. Auch die Temperatur war mit minus 18 Grad Celsius moderat, jedenfalls wenn man in der Antarktis Kisten schleppen muss.

Die Station im ewigen Eis wird vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) betrieben.

(Foto: Foto: dpa)

Die deutschen Polarforscher auf der Südhalbkugel beziehen in diesen Tagen ihre neue Unterkunft, die Neumayer III Station. Nach zehnjähriger Planung und zwölf Monaten Bauzeit - die lange Winterpause eingerechnet - wird sie an diesem Freitag offiziell eingeweiht.

Für den feierlichen Akt reiste eigens ein Kader deutscher Spitzenforschungsfunktionäre an und auch Forschungsministerin Annette Schavan wird die Veranstaltung begleiten, wenn auch nur über eine aus der Heimat zugeschaltete Satellitenleitung.

"Es ist wichtig, dass die Entscheider vor Ort miterleben, wofür sie sich jahrelang eingesetzt haben", sagt Hartwig Gernandt, der logistische Leiter des Alfred-Wegener-Instituts (AWI), das die Station im ewigen Eis betreibt. Auch Vertreter von den internationalen Nachbarstationen würden am Freitag auf einen Besuch vorbeikommen.

Für Zöllner ist dieser Freitag ein Tag wie jeder andere. Das ist in seinem Fall nicht bloß eine Redensart. Er wird ein Jahr lang dafür verantwortlich sein, meteorologische Daten aufzuzeichnen. Jeden Tag in der Woche von neun Uhr morgens bis Mitternacht, alle drei Stunden. In dieser Regelmäßigkeit kann auch der Blick zum Himmel um den Bewölkungsgrad zu beurteilen, zur Strapaze werden.

"Die Routine ist eine große Belastung für uns alle", sagt er, "nach einem Jahr schlaucht das sehr." Dazu kommt die Dunkelheit. Zwei Monate lang geht die Sonne gar nicht über der Station auf.

Auch körperlich geht es mitunter zur Sache. Zöllner musste schon während der Polarnacht bei minus 40 Grad einen mit Messfühlern behängten Mast erklimmen, um die frostempfindliche Elektronik zu reparieren. Der Atmosphärenforscher wird zum zweiten Mal einen Winter im Eis verbringen, das machen nur die wenigsten Polarnachterprobten.

Umzugsstress und hoher Besuch werden Zöllner nicht von seinen Pflichten abhalten. Es gilt, die Datenreihen über Jahrzehnte hinweg lückenlos zu halten. Der Klimaforschung und der Verbesserung von Wetterprognosen soll die Arbeit der deutschen Niederlassung in der Antarktis dienen. Außerdem dürfen nur Staaten in der Antarktis mitbestimmen, die dort Forschung betreiben, so regelt es ein internationales Vertragswerk von 1961.

Seinen ersten antarktischen Winter verlebte Zöller vor vier Jahren noch in der alten Neumayer-Station, die gerade sechs Kilometer nördlich vom Neubau im Ekström-Schelfeis versinkt. Dass Neumayer II untergehen würde, war von Anfang an geplant. Jedes Jahr in der Antarktis bringt bis zu einen Meter Schneezutrag. Nach 16 Jahren Nutzung liegt die alte Station heute 15 Meter unter der Eisoberfläche. In dem röhrenförmigen Stahlkomplex sei kein zuverlässiger Betrieb mehr möglich, sagt Zöllner.

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