Mars-Mission "Curiosity" Haben Lavaströme die Täler auf dem Mars gegraben?

Mars Gasrätsel auf dem Mars
Curiosity-Mission

Gasrätsel auf dem Mars

Der Methangehalt in der Marsatmosphäre schwankt stark. Das gibt Physikern große Rätsel auf und stellt ihre Modelle infrage.   Von Christopher Schrader

Allerdings ist Curiosity erst nach knapp dreijähriger, mühsamer Fahrt dort angekommen. Dabei war seine Missionsdauer ursprünglich nur auf zwei Jahre ausgelegt. Die Räder des Rovers sind mittlerweile von spitzen Steinen durchlöchert. Immerhin fand das fahrende Labor neue Indizien dafür, dass auf dem Mars einst Wasser im kleinen Maßstab floss: Kieselsteine, die wohl in einem sprudelnden Bach abgerundet wurden. Und Gestein, das früher von einem See bedeckt gewesen sein könnte.

Aber den großen Durchbruch hat der Nasa-Roboter bisher nicht gebracht. Das verleiht alternativen Theorien Auftrieb. Schon länger grübeln Forscher, wie der Planet einst überhaupt flüssiges Wasser beherbergt haben könnte. Vor drei Milliarden Jahren schien die Sonne noch um ein Drittel schwächer als heute. Selbst eine dichtere Atmosphäre wäre kaum in der Lage gewesen, den Mars auf Erdtemperatur zu wärmen.

Eine aktuelle Studie von Robin Wordsworth von der Havard University befürwortet stattdessen ein anderes Szenario. Viele Täler auf dem Mars könnten in kaltem Klima entstanden sein oder unter kilometerdicken Gletschern. Einer der Fürsprecher dieser Theorie ist James Head von der Brown University in Rhode Island, eine Koryphäe der Marsforschung. Vor 15 Jahren veröffentlichte er noch Arbeiten zum vermeintlichen Riesenozean auf dem Mars. Heute ist Head davon abgerückt. Umgestimmt haben ihn unter anderem einige Monate in der Antarktis, deren Klima den wärmeren Gegenden des Roten Planeten ähnelt. "Es war erstaunlich", sagt er. "Es gibt dort Flüsse und immer wieder größere Fluten, obwohl die mittlere Jahrestemperatur bei minus 20 Grad Celsius liegt."

Mars-Mission Curiosity Mars-Rover Curiosity in der Sackgasse
"Kein guter Ort zum Experimentieren"

Mars-Rover Curiosity in der Sackgasse

Löcher in den Reifen, Dellen im Gehäuse: Mars-Rover Curiosity ächzt nur noch in zerpflücktem Zustand über den Roten Planeten. Jetzt manövrierte sich das 2,5 Milliarden Dollar teure Fahrzeug in eine Falle.

Flüssiges Wasser schließt also lebensfeindliche Temperaturen nicht aus. Falls es einst auf einem ewig kalten Mars floss, dann vielleicht, weil Vulkanausbrüche die Gletscher schmelzen ließen. Die Sturzfluten oder die Lava hätten dann die Oberfläche zerfurcht.

Möglicherweise gab es Wasser nur in Form kleiner Tümpel

"Wie kann es sein, dass der gewaltigste Canyon des Sonnensystems, die Valles Marineris, ausgerechnet an der Flanke eines Vulkans liegt?", fragt auch Giovanni Leone von der ETH Zürich. Leone hat in den Daten von Nasa-Raumsonden Hinweise gefunden, dass es in Flusstälern und ausgetrockneten Seen das Mineral Olivin gibt. Es ist vulkanischen Ursprungs und sollte sich beim Kontakt mit Wasser zersetzen. Leone ist daher überzeugt: Wasser hat es auf dem Mars nur in Form kleiner Tümpel gegeben, und Lavaströme haben die Täler gegraben.

Auch ein anderes Indiz für Leben ist in die Schusslinie geraten: Methangas. Auf der Erde wird es von Vulkanen, aber auch von Tieren, Pflanzen und Mikroben freigesetzt. Ende 2014 bestätigte Curiosity, dass es das Gas in der Marsatmosphäre gibt. Aber stammt es von Lebewesen? "Es gibt Möglichkeiten, das Gas ohne Mikroben zu erklären", sagt Frank Keppler von der Universität Heidelberg. Er setzte Meteoritengestein der UV-Strahlung aus, die auch den Mars trifft, und wies Methan nach. "Eine wahrscheinliche Erklärung für das Marsmethan sind Meteoriten", sagt er.

Die Nasa spricht ungern darüber, dass es auf dem Mars früher weniger Wasser gab als gedacht. Zu sehr werden Missionen wie Curiosity mit der Aussicht auf Leben gerechtfertigt. Nicht einmal James Head will die Hoffnung aufgeben. "In den vergangenen 20 Jahren haben wir gelernt, dass irdisches Leben selbst an dunkelsten Orten zurechtkommt." Und vielleicht sollte man Curiosity auch nicht zu früh abschreiben: "Es kommen ständig neue Entdeckungen", sagt der an der Mission beteiligte Walter Goetz vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. Noch scheinen die Raumfahrtagenturen motiviert, Leben auf dem Mars zu finden - Fossilien ausgestorbener Arten oder primitive Organismen, die bis heute überdauert haben.

Der Esa-Rover Exomars soll sich von 2019 an der Suche nach Leben widmen, das gleiche Ziel hat der für 2021 geplante Curiosity-Nachfolger. Dabei steht viel auf dem Spiel. Als die Nasa zuletzt explizit nach Leben suchte, endete das ergebnislos. Die Viking-Lander bemühten sich vor 40 Jahren, Organismen nachzuweisen - und lieferten bestenfalls zweideutige Resultate. Die Enttäuschung war so groß, dass für zwei Jahrzehnte keine Raumsonde mehr zum Mars flog.