bedeckt München 18°
vgwortpixel

Das trockene Mittelmeer:Verstopfung bei Gibraltar

Den Auslöser der Meeresspiegel-Absenkung lässt Govers offen. Eine Kettenreaktion vermutet der Geologe: Als sich der Wasserspiegel senkte, wurde der Meeresgrund entlastet, er hob sich. Die Hebung verkleinerte die Straße von Gibraltar ein wenig. Folglich verringerte sich der Wasserzustrom aus dem Atlantik weiter - und damit wiederum die Wasserlast auf dem Meeresgrund. Die Hebung des Bodens setzte sich fort.

Das langsame Abschnüren des Mittelmeers machte das Wasser zu einer übersättigten Salzbrühe, schreibt Govers. Unter der mediterranen Sonne verdunstete mehr Wasser als nachströmte, zurück blieb das Salz. Am Grund bildeten sich dicke Salzkrusten. Das meiste Salz habe sich abgelagert, bevor das Meer trockenfiel, berichtet Govers. Irgendwann ragte vor Gibraltar der felsige Grund aus dem Wasser - die Meerenge war geschlossen, das Meer trocknete aus.

Das Wasser kehrt zurück

Das Becken wäre auch nicht mehr vollgelaufen, hätten nicht gewaltige Umwälzungen im Erdinneren den Meeresboden verformt. Unter Gibraltar schiebt sich eine kilometerdicke Erdplatte unter den Boden des Mittelmeers. Ihr Ruckeln lässt regelmäßig die Erde zittern; 1755 wurde von einem solchen Beben Lissabon zerstört.

Vor acht Millionen Jahren schob sich die Platte nahezu waagerecht in den Untergrund, doch seit etwa fünfeinhalb Millionen Jahren taucht die Erdplatte fast senkrecht ab. Dabei zerrt sie den Grund des Mittelmeers unterhalb der Straße von Gibraltar mit in die Tiefe, berichtet Rob Govers. Das öffnete vor 5,3 Millionen Jahren die Meerenge. Es strömte wieder Wasser vom Atlantik ins Mittelmeer.

Doch es war wohl die letzte Wiederbelebung. Das Mittelmeer geht seinem Ende entgegen, es wird wieder salziger. Auch driftet der afrikanische Kontinent unaufhaltsam in Richtung Europa. In ein bis zwei Millionen Jahren wird die Erdplatten-Verschiebung die Meerenge von Gibraltar voraussichtlich schließen.

Der Wasserpegel wird dann um einen Meter pro Jahr fallen. Schließlich werden die mediterranen Inseln wieder zu Hochgebirgen, und das Wasser weicht einer Salzwüste. Dann ist das Mittelmeer Geschichte. Endgültig.

© SZ vom 03.03.2009/cpah
Zur SZ-Startseite