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Das trockene Mittelmeer:Verstopfung bei Gibraltar

Weitere Untersuchungen stützten die These. Es zeigte sich, dass Nil, Rhône und andere Flüsse bis zu 2400 Meter tiefe Schneisen in die Küsten des Mittelmeers geschnitten hatten.

Hatte sich ihr Wasser vormals direkt auf den Meeresboden ergossen? Eine Bohrung vor Sardinien brachte den Beweis: Dort lagen im Meeresgrund große Mengen Kies. Der Schotter bildete den gewaltigen Schwemmfächer einer urzeitlichen Flussmündung.

Die Bestimmung des Alters der Salzschicht im Meeresboden lieferte dann die nächste Überraschung. Es hatte sich vor fünf bis sechs Millionen Jahren abgelagert. Zu jener Zeit muss das Mittelmeer verdampft sein und das Salz hinterlassen haben, folgerten die Geologen.

Die Salzschicht war allerdings stellenweise bis zu 3500 Meter dick - es hat sich also binnen einer Million Jahre hundertmal mehr Salz abgelagert, als im Mittelmeer überhaupt hätte gelöst sein können. Gab es mehrere Verdampfungs-Zyklen, fragten sich die Wissenschaftler.

Die These war eine weitere Provokation. Dass ein Ozean einmal verschwindet, erschien bereits ominös. Doch ein Meer, das binnen einer Million Jahre immer wieder verdampft, überforderte die Phantasie von Geologen. Seither streiten Wissenschaftler über den Mechanismus.

Wasseraustausch mit dem Atlantik abgewürgt

Rob Govers von der Universität Utrecht in den Niederlanden hat nun eine Erklärung geliefert. Seinen Berechnungen zufolge trocknete das Mittelmeer nur einmal aus.

Ein Großteil des Salzes habe sich dabei abgelagert, als das Meer eine übersättigte Salzbrühe war wie heute das Tote Meer. Die Einengung der Straße von Gibraltar habe den Wasseraustausch mit dem Atlantik abgewürgt, schreibt Govers im Fachblatt Geology (Bd.37, S.167, 2009).

Nur über die Meerenge von Gibraltar ist das Mittelmeer mit den Ozeanen verbunden. Durch das Nadelöhr strömt an der Oberfläche Atlantikwasser herein, darunter fließt das salzigere Mittelmeerwasser hinaus. Eine Blockade der Passage würde das Mittelmeer von seiner Quelle abschneiden, das Wasser würde in rund 2000 Jahren verdunsten; zurück blieben Salzlaken.

Forscher haben diverse Möglichkeiten ersonnen, wie die schmale Meerenge vor sechs Millionen Jahren blockiert worden sein könnte. Erdplatten-Verschiebungen hätten die Straße von Gibraltar verschlossen, hieß es zum Beispiel. Oder eine Klima-Abkühlung habe Wasser in Gletschern gebunden und den weltweiten Meeresspiegel abgesenkt. Doch Beweise für die Theorien blieben aus.

Govers Berechnungen liefern nun Belege für eine andere Theorie: Eine Hebung des Meeresbodens habe das Mittelmeer allmählich von seinem Zustrom abgeschnitten. Eine leichte Absenkung des Wasserpegels reichte dann aus, um die Austrocknung des Mittelmeers unumkehrbar zu machen.

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