MedizinCovid-Infektion könnte Blutgefäße schneller altern lassen

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Schnelltest zur Erkennung des Corona-Virus.
Schnelltest zur Erkennung des Corona-Virus. (Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Mit dem Alter werden Blutgefäße steifer und erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Was Forschende in einer neuen Studie herausgefunden haben.

Eine Covid-Infektion könnte die Blutgefäße einer Studie zufolge schneller altern lassen. Frauen seien davon stärker betroffen als Männer, ebenso wie Menschen, die unter Long Covid leiden, schreiben die Autoren einer in der Fachzeitschrift European Heart Journal erschienenen Studie. Wenn Blutgefäße altern, werden sie steifer und erhöhen Fachleuten zufolge das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfälle oder Herzinfarkte.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betrachteten in ihrer Studie 2390 Menschen aus 16 Ländern. Die Teilnehmenden seien zwischen September 2020 und Februar 2022 ausgewählt worden, als die Corona-Pandemie noch im Gange war. Unterschieden wurde zwischen Menschen, die nicht an Covid erkrankt waren, sowie Menschen mit mildem Verlauf, Menschen, die mit Covid auf der Normalstation im Krankenhaus behandelt wurden und Menschen, die wegen Covid auf die Intensivstation kamen.

Die Forscher untersuchten das Alter der Blutgefäße aller Personen. Dafür nutzten sie ein Gerät, das misst, wie schnell sich eine Blutdruckwelle von der Halsschlagader zu den Oberschenkelarterien bewegt. Je höher dieser Wert, desto steifer sind die Blutgefäße und als desto höher wird deren Alter eingestuft. Die Messungen erfolgten sechs und zwölf Monate nach einer Covid-Infektion. Bei der Beurteilung wurden auch andere Faktoren einbezogen, die das Alter der Blutgefäße beeinflussen können.

Alterungseffekt vor allem bei Frauen gefunden

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Blutgefäße bei denjenigen Gruppen, die mit Covid infiziert waren, im Schnitt steifer waren als bei denen, die sich nie infiziert hatten. Dies traf auch auf die Gruppe Studienteilnehmer zu, die nur einen milden Krankheitsverlauf hatten. Wer gegen Corona geimpft war, hatte nach der Infektion im Schnitt weniger steife Gefäße als Ungeimpfte.

Stark sichtbar war der Unterschied bei Frauen. Bei Männern gab es hingegen keinen signifikanten Unterschied. Den Autoren zufolge könnte das daran liegen, dass wohl mehr Männer mit Covid starben. Unter den männlichen Studienteilnehmern mit Corona-Infektion könne es somit einen „Überlebens-Bias“ gegeben haben. Damit meinen die Autoren offenbar, dass Überlebende eine höhere Chance haben, von der Studie berücksichtigt zu werden, als verstorbene Studienteilnehmer vor ihrem Tod. Insgesamt habe sich der Alterungseffekt bei Infizierten nach einiger Zeit mitunter stabilisiert oder nachgelassen.

Für Heribert Schunkert, den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Herzstiftung und Direktor der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen am Deutschen Herzzentrum der TU München, gilt es nun zu klären, was der Grund für die gefundenen Ergebnisse ist. „Da muss man ganz genau hinschauen, ob diese Gruppen wirklich gleich waren, um zu sagen, ob die Ursache dieser Alterungsbeschleunigung in Covid lag.“ Klar sei auch nicht, ob in den Gruppen wenige Menschen einen starken Effekt oder viele einen kleinen Effekt bei der Alterung hatten. Weitere Studien seien notwendig.

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