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Luftverschmutzung:Coronavirus sorgt in China für bessere Luft

Luftqualität in Wuhan vor einem Jahr und heute

(Foto: Nasa)
  • Satellitenaufnahmen zeigen eine drastische Verbesserung der Luftqualität in China.
  • Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang zum Ausbruch des Coronavirus.
  • Eine Luftqualitätsforscherin sagte: "Dies ist das erste Mal, dass ich für ein bestimmtes Ereignis einen so dramatischen Rückgang über ein so weites Gebiet sehe."

Der Farbunterschied ist deutlich: Während auf einem Satellitenbild vom Februar 2019 ein dunkelbrauner Fleck über dem chinesischen Wuhan hängt, zeigt sich die Region ein Jahr später himmelblau. Braun bedeutet auf der Skala: extrem hohe Belastung mit Stickstoffdioxid (NO₂), einem Schadstoff, der von Fabriken, Autos und Kraftwerken ausgestoßen wird. Himmelblau hingegen steht für eine niedrige Konzentration des Gases.

Der Grund für die plötzlich saubere Luft über Wuhan könnte laut den Forschern der Ausbruch des Corona-Virus sein. In der chinesischen Millionenstadt war das neuartige Virus Sars-CoV-2 im Dezember zuerst entdeckt worden. Die Behörden hatten Ende Januar den Verkehr von und nach Wuhan weitgehend eingestellt und lokale Unternehmen geschlossen, um die Ausbreitung des Erregers einzudämmen und Infektionsketten zu unterbrechen.

Auch landesweit hat der wirtschaftliche Stillstand Auswirkungen auf die Luft

(Foto: Nasa)

"Es gibt Hinweise darauf, dass die Änderung zumindest teilweise mit der wirtschaftlichen Abkühlung durch den Ausbruch des Coronavirus zusammenhängt", heißt es in einer Mitteilung der Nasa. Die US-Raumfahrtbehörde hat die Satellitenbilder zusammen mit der Europäischen Weltraumorganisation Esa veröffentlicht. "Dies ist das erste Mal, dass ich für ein bestimmtes Ereignis einen so dramatischen Rückgang über ein so weites Gebiet sehe", wird die Umweltforscherin Fei Liu vom Goddard Space Flight Center der Nasa in der Mitteilung zitiert. Einen Rückgang der NO₂-Konzentration habe sie auch während der Weltwirtschaftskrise 2008 bemerkt, jedoch in geringerem Ausmaß, so Liu. Auch die Olympischen Spiele in Peking 2008 hätten kurzfristige Auswirkungen auf die Luftqualität gehabt.

Im Januar und Februar finden in China auch traditionell die Neujahrsfeiern statt, in der Zeit schließen Fabriken und Unternehmen. Doch die Nasa-Forscher glauben, dass der eklatante Rückgang von NO₂ in der Luft damit nicht zu erklären ist. Um diesen temporären Feiertagseffekt ausschließen zu können, verglichen die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die Daten der Jahre 2005 bis 2020, mit einem eindeutigen Ergebnis: Dieses Jahr waren die Stickstoffdioxid-Werte in Ost- und Zentralchina erheblich niedriger als normalerweise zu dieser Zeit. Auch nach dem Neujahrsfest seien die NO₂-Werte nicht wieder gestiegen.

2020 sei der Rückgang signifikanter und hälte schon viel länger an. Das sei keine Überraschung, sagt Liu. "Denn landesweit haben viele Städte Maßnahmen ergriffen, um die Verbreitung des Virus zu minimieren."

© SZ/jana/cvei
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