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Covid-19:Studie analysiert Coronavirus-Ausbruch in Nembro

Bergamo, the northern Italian town at the epicentre of the coronavirus disease (COVID-19) outbreak

Gräber der kürzlich Verstorbenen auf dem Friedhof von Nembro nahe Bergamo.

(Foto: Flavio Lo Scalzo/Reuters)

Die norditalienische Stadt war besonders heftig vom Coronavirus betroffen. Dort gab es auf dem Höhepunkt der Pandemie elfmal so viele Tote wie normalerweise.

Anfang März wurden die Totenglocken nicht mehr geläutet, die Krankenwagen fuhren, wenn möglich, ohne Sirenen durch die Straßen. Man wollte die Menschen nicht permanent an das Leid erinnern, das sie hier im italienischen Nembro erlebten. Das Städtchen liegt in der reichen Lombardei, normalerweise werden seine Einwohner alt - gut versorgt durch ein funktionierendes Gesundheitssystem.

Als das neue Jahr begann, lebten dort 11 505 Menschen. Wenn sich alles so entwickelte hätte, wie in den vergangenen Jahren, hätten Mitte April sogar noch ein paar weitere Menschen dort gewohnt. Doch dann kam Covid-19.

Am 21. Februar wurde der erste Fall in der Stadt bestätigt, schnell folgten weitere Infektionen. Mitte April war der Ausbruch endlich abgeflaut. Bis dahin musste die Stadt 166 Menschen zu Grabe tragen. 151 von ihnen waren allein im März gestorben, wie Public-Health-Forscher aus Mailand und Berlin im British Medical Journal analysierten. Damit starben in einem einzigen Monat mehr Menschen als sonst in einem gesamten Jahr, es waren fast elfmal so viele wie im März 2019.

Etwa die Hälfte der Gestorbenen hatte eine bestätigte Covid-19-Diagnose. Die Forscher schließen nicht aus, dass auch ein Teil der anderen mit dem Coronavirus infiziert war, aber nicht erfasst wurde, weil es zwischenzeitlich an Kapazitäten für die Entnahme und Auswertung der Tests mangelte. Möglich ist aber auch, dass Menschen an den indirekten Folgen der Pandemie gestorben sind. Die Kliniken der Region waren überfüllt, Schutzausrüstung wurde knapp, Angestellte infizierten sich und fielen in der Krankenversorgung aus, Ärzte und Pflegekräfte standen unter enormem Druck.

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Es ist denkbar, dass in dieser Situation nicht mehr alle Patienten optimal versorgt werden konnten. Manche Kranke könnten den Kliniken auch aus Angst ferngeblieben sein. Nembro gibt nur einen kleinen Ausschnitt aus dem weltweiten Geschehen wieder. Und doch, so die Autoren, zeigt das Schicksal des Städtchens, was auch in größerem Maßstab passieren könnte: Eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus würde das Gesundheitssystem zusammenbrechen lassen - mit erheblichen Auswirkungen auf die Gesundheit aller.

© SZ vom 18.05.2020/hmw
Bundesgesundheitsministerium Bonn

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