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Infektionsgeschehen in Deutschland:Wo fangen sich die Menschen das Coronavirus ein?

Coronavirus - Jüterbog

Ein Schild in Jüterbog (Brandenburg) fordert die Besucher des Marktplatzes zum Einhalten eines Abstandes und zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung auf.

(Foto: Soeren Stache/dpa)

Schulen und Einzelhandel? Geschlossen, Essen? Gibt es nur noch zum Mitnehmen. Und trotzdem sind die Infektionszahlen weiter sehr hoch. Das lässt sich aus den aktuell gemeldeten Daten herauslesen.

Von Christina Kunkel, München

Schulen zu, Einzelhandel auch, Essen gibt es nur noch zum Abholen - und trotzdem sind da jeden Tag diese unfassbar hohen Zahlen. Zehntausende Neuinfektionen, an vielen Tagen mehr als tausend Covid-19-Tote. Es drängt sich zwangsläufig die Frage auf, die sich gerade viele Menschen hierzulande stellen: Wenn doch das öffentliche und das private Leben bereits so dermaßen eingeschränkt sind - wo stecken sich dann diese vielen Leute tagtäglich an?

Eine Antwort auf diese Frage könnte der Schlüssel sein, um an diesen Stellen gezielt mit noch härteren Maßnahmen nachzusteuern. Das Problem ist nur: Es gibt für das aktuelle Infektionsgeschehen nur sehr lückenhafte Daten, auf welchen Wegen sich besonders viele Menschen mit dem Coronavirus infizieren.

Was sich an den aktuell gemeldeten Neuinfektionszahlen ablesen lässt: Wer im Pflegeheim, im Krankenhaus oder in einer Betreuungseinrichtung arbeitet oder untergebracht ist, hat dort ein besonders hohes Risiko, sich mit Sars-CoV-2 zu infizieren. So entfielen zum Beispiel rund 15 Prozent der neu gemeldeten Fälle vom Donnerstag auf diese Bereiche. Dabei ist allerdings meist nicht nachvollziehbar, ob sich die Menschen auch bei der Arbeit mit den Erkrankten angesteckt haben oder im privaten Umfeld. Anders sieht es bei den Bewohnern im Altenheim aus: Wer dort positiv getestet wird, hat sich ziemlich sicher auch dort infiziert.

Alle Daten, die das Robert-Koch-Institut wöchentlich zu Ansteckungsorten erhebt, müssen mit Vorsicht interpretiert werden. Zuletzt konnte die Behörde nach eigenen Angaben nur bei einem Sechstel aller Fälle zuordnen, wo sich die Betroffenen das Virus wahrscheinlich eingefangen haben. Zudem muss bei den Zahlen für die vergangenen zwei Wochen berücksichtigt werden, dass in diesem Zeitraum weniger getestet und gemeldet wurde.

In der RKI-Statistik werden nur Cluster betrachtet - also wenn der Ausbruch mindestens zwei Personen betraf. Dabei zeigte sich zuletzt, dass private Haushalte (25 Prozent alle Fälle) immer noch ein sehr bedeutender Ansteckungsort sind, auch wenn in den Lockdown-Wochen deutlich mehr Infektionen Alters- und Pflegeheimen zugeordnet werden konnten.

Die Kontaktbeschränkungen zeigen offenbar zumindest insofern Wirkung, dass bei einem Drittel der nachvollziehbaren Cluster nur zwei bis vier Personen betroffen waren. Diese kleineren Ausbrüche passierten dann auch besonders oft in privaten Haushalten. Interessanterweise hatte der Lockdown aber offenbar wenig Auswirkungen auf die Ansteckungen am Arbeitsplatz. In den RKI-Daten liegt der Anteil der Cluster, die der Arbeitsstätte zugeordnet werden, seit Anfang November relativ konstant bei etwa fünf Prozent - bis auf die vergangenen zwei Wochen, wo aufgrund der Feiertage auch ohne die Pandemie wohl deutlich weniger Menschen im Büro gewesen wären.

Natürlich würde man gerne genauer wissen, wo sich die Menschen infizieren. Doch bei den hohen Zahlen ist es für die Gesundheitsämter oft gar nicht möglich, das herauszufinden. Auch deshalb gibt es keine validen Daten zum Ansteckungsrisiko im Einzelhandel oder in öffentlichen Verkehrsmitteln - weil flüchtige Zusammenkünfte mit vielen unbekannten Menschen es quasi unmöglich machen, die Quelle einer Infektion zu ermitteln.

© SZ/tba
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