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Coronavirus:Leopoldina fordert klare Linie der Politik

Das Logo und der Schriftzug der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina hängen an einem Banner vor dem Gebäude in Halle.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle berät die Bundesregierung - nicht nur zu Corona.

(Foto: Peter Endig/dpa)
  • Die Nationale Akademie der Wissenschaften fordert Bund und Länder auf, sich auf einheitliche Corona-Maßnahmen zu einigen.
  • Diese Maßnahmen sollen zudem konsequenter als bisher durchgesetzt werden.
  • In ihrer sechsten Stellungnahme spricht sich das Gremium zudem für eine Einführung von Antigentests aus.

Von Kathrin Zinkant, Berlin/Halle

Eine Woche noch, dann wird Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Chefinnen und Chefs der Länder abermals darüber beraten, wie es denn weitergehen soll mit Corona. Und es wird ein heikler Termin, denn nach den Erfolgen des Frühjahrs hat sich die Lage in Deutschland zum Beginn des Herbstes wieder deutlich zugespitzt. Die Zahl der Infizierten pro Woche liegt um ein Fünffaches höher als noch im Juli, es sind inzwischen vorwiegend jüngere Menschen von der Pandemie betroffen, die das Virus verbreiten. Zu der Frage, wie dem Einhalt zu gebieten ist, hat die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina am Mittwoch deshalb eine aktuelle Stellungnahme veröffentlicht.

Es ist das sechste Ad-hoc-Papier der Akademie zur Corona-Krise. Und obwohl es wenig neue Erkenntnisse auf seinen zwölf Seiten enthält, ist es in seinem Fazit doch ziemlich deutlich: Einheitlicher und konsequenter müsse das Vorgehen der Politik werden, um eine Eskalation der Pandemie in der dunklen Jahreszeit zu verhindern. Dazu gehören nach Ansicht der Wissenschaftler gezielte Lüftungskonzepte für Innenräume, aber auch Bußgelder, um Anordnungen wie der Maskenpflicht mehr Nachdruck zu verleihen.

Die Akademie spricht sich für die Einführung von Antigentests aus, um ansteckende Personen zu identifizieren

Die Experten empfehlen zugleich eine Differenzierung von Teststrategie und Quarantänemaßnahmen. Demnach habe die Forschung gezeigt, dass in Verdachtsfällen statt der bisherigen 14 Tage auch eine Isolation von zehn Tagen ausreichend sei, bei nachweislich Erkrankten soll wegen des überschrittenen Höhepunkts der Infektiosität sogar eine Quarantäne von einer Woche ausreichen.

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Zudem spricht sich die Akademie für die Einführung von sogenannten Antigentests als Teil der Teststrategie aus. Die Tests weisen nicht auf indirekte Weise Viruserbgut nach, wie die derzeit übliche, recht langwierige PCR. Sie spüren auf direktem Weg die Eiweißhülle des Erregers auf. Sie sind deshalb schneller als die PCR, aber auch weniger empfindlich. Laut Leopoldina ist jedoch nicht entscheidend, jeden Infizierten mit solchen Tests zu finden, sondern vor allem jene Personen zu finden, die tatsächlich ansteckend sind. "Ziel muss es sein, die Zeit zwischen Test und Ergebnis weiter zu verkürzen und insbesondere die Infektiosität zu erfassen", heißt es in der Stellungnahme.

Wie andere Gremien zuvor wünscht sich die Leopoldina zudem einen besseren Zugang der Öffentlichkeit zum Stand des Wissens, um "verantwortungsvolles Handeln" zu erleichtern.

© SZ
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