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Umfragen:Mehrheit der Deutschen für kon­se­quenten Klimaschutz - trotz Corona

Globaler Klimaprotest - Nürnberg

Auch in Corona-Zeiten demonstriert eine Aktivistin von der "Fridays for Future"-Bewegung für das Klima.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Auch die Stimme der Wissenschaft sollte einer aktuellen Umfrage zufolge stärker gehört werden. Im Detail zeigen sich dann aber doch große Unterschiede.

Auch nach acht Wochen Pandemie und Kontaktsperren haben die Deutschen die Bedrohung durch den Klimawandel nicht aus dem Blick verloren. Die Klimakrise werde größere Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft haben als die Corona-Krise, davon sind 59 Prozent der Bundesbürger ab 14 Jahren überzeugt.

23 Prozent schätzen beide Krisen als gleichermaßen gravierend ein, nur 17 Prozent halten die momentane Situation für folgenreicher, zeigt eine repräsentative Umfrage des Instituts Forsa im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Die Ergebnisse liegen der Süddeutschen Zeitung vorab vor.

"Die Menschen haben ein gutes Gespür dafür, dass konsequentes Engagement für den Klimaschutz keinen Aufschub duldet"

Praktisch alle der gut eintausend Befragten würden es begrüßen, wenn künftig bei Entscheidungen, zum Beispiel zur Klimakrise, "Meinungen und Analysen der Wissenschaft stärker einbezogen würden als bisher": 93 Prozent fänden das "sehr gut" oder "gut".

Und 86 Prozent schätzen es als "sehr wichtig" oder "wichtig" ein, dass die Bundesregierung bei Investitionsprogrammen zur Bekämpfung der Corona-Krise den Schutz von Umwelt und Klima berücksichtigt. Noch höhere Zustimmungswerte erreichen bei dieser Frage jedoch die Förderung von sozialer Gerechtigkeit, die Unterstützung des Mittelstandes und der regionalen Wirtschaft und vor allem Hilfen für das Gesundheitssystem.

"Die Menschen haben ein gutes Gespür dafür, dass konsequentes Engagement für den Klimaschutz keinen Aufschub duldet", interpretiert DBU-Generalsekretär Alexander Bonde die Zahlen. Die gewaltige Dimension dieses Problems bleibe auch angesichts aktueller Krisen präsent. "Zugleich ist das auch ein dringender Appell, Klimaschutz und nachhaltiges Wirtschaften zusammen zu denken."

In den Antworten zu den Prioritäten eines Corona-Konjunkturprogramms zeigt sich politische Polarisierung: Anhänger von CDU/CSU nennen Hilfen für die Wirtschaft überproportional "sehr wichtig". Wie die möglichen Wähler von FDP und AfD können sie sich unterdurchschnittlich dafür erwärmen, ein Corona-Konjunkturpaket vor allem danach auszurichten, Umwelt und Klima zu schützen.

"Sehr wichtig" findet es nur ein Fünftel der FDP-Anhänger, soziale Gerechtigkeit oder Artenschutz zu berücksichtigen. Nur jeder neunte AfD-Anhänger wählt diese Antwort für Maßnahmen im Umwelt- und Klimaschutz. Unter allen Befragten sind es hier fast die Hälfte, bei Anhängern der Grünen sogar drei Viertel. Wer SPD oder Linke favorisiert, gibt der Förderung sozialer Gerechtigkeit bei dieser Frage die höchste Zustimmungsrate.

Die Politik müsse aus der Coronakrise ihre Lehren ziehen

Auch bei der Entscheidung, ob Corona- oder Klimakrise langfristig gravierender seien, zeigen sich parteipolitische Trends. Während fast 80 Prozent der Anhänger der Grünen auf die Klimakrise tippen, nennen bei der FDP und bei der AfD zu 33 und 37 Prozent Corona, so viel wie in keiner anderen Gruppe. Die Zahlenwerte für die Option "Klimakrise" liegen jedoch in beiden Gruppen noch höher: 48 Prozent bei der FDP, 40 bei der AfD.

Weitere Daten über die Beziehung von Pandemie und Klimakrise stammen aus einer aktuellen Umfrage im Auftrag des Naturschutzbundes (Nabu). Darin erklärten zwei Drittel der repräsentativ Befragten, die Politik müsse aus der Corona-Krise die Lehre ziehen, mehr für den Klimaschutz, den Naturschutz und das Gesundheitssystem zu tun. Zugleich erklärte in der Nabu-Umfrage eine überwältigende Mehrheit, kommende Konjunkturprogramme müssten die Wirtschaft klima- und umweltfreundlicher gestalten. 91 Prozent stimmten dieser Aussage "sehr" oder "eher" zu.

Eine weitere Umfrage wurde Ende April vom Institut Ipsos veröffentlicht. Dort waren 57 Prozent der Deutschen der Ansicht, die Regierung solle während der wirtschaftlichen Erholung dem Klimaschutz Priorität geben - das war in einem internationalen Vergleich von 14 Staaten jedoch der niedrigste Wert, gleichauf mit Befragten in den USA und Australien. Dagegen stimmten der Aussage in Indien, Mexiko und China jeweils 80 Prozent oder mehr zu.

© SZ vom 11.05.2020/fehu

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