Wieder haben sich für die meisten Schul- und Kindergartenkinder die Türen zu ihren gewohnten Betreuungseinrichtungen auf unbestimmte Zeit geschlossen. Wie sie die nächsten Wochen - vielleicht auch Monate - verbringen werden, wie es ihnen dabei gehen wird, bleibt in den meisten Fällen wohl im Verborgenen. Was sich jedoch aus den Erfahrungen vom Frühjahr zeigt, als Kinder und Jugendliche schon einmal wochenlang kaum Kontakt zu Gleichaltrigen und Betreuern hatten, dokumentiert unter anderem eine Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI).
Die Wissenschaftler um Alexandra Langmeyer hatten zwischen Ende April und Ende Mai mehr als 12 000 Eltern und Kinder im Alter von drei bis 15 Jahren online befragt. Danach führten sie mit 21 Familien ausführliche Interviews. Eine wichtige Erkenntnis: Auch im Angesicht einer Pandemie können diejenigen besser mit harten Beschränkungen umgehen, in deren Familie es keine akuten finanziellen Sorgen gibt. Wo das Geld eh schon knapp war, fühlten sich mehr Kinder einsam (48 Prozent) als in Familien, die angaben, von ihrem Einkommen gut leben zu können (22 Prozent). Außerdem hatte ein größerer Anteil der Kinder aus finanziell schlechter gestellten Familien mit emotionalen Problemen wie Niedergeschlagenheit, Ängsten und Sorgen sowie Hyperaktivität zu kämpfen - und zwar umso mehr, je angespannter die Eltern die wirtschaftliche Situation der eigenen Familie empfanden.
Auch der Bildungsgrad der Eltern spielt offenbar eine Rolle, wie gut Kinder einen Lockdown bewältigen, schreiben die Studienautoren. Bei der DJI-Befragung gaben 42 Prozent der Eltern mit maximal mittlerem formalem Bildungsabschluss an, dass ihre Kinder Schwierigkeiten hatten. Nur 29 Prozent der Eltern mit hohem Bildungsabschluss berichteten dies. Um zu vermeiden, dass sich diese Ungleichheiten in den kommenden Wochen wiederholen, sind laut Studienleiterin Alexandra Langmeyer vor allem politische Maßnahmen wichtig, "die Familien finanziell entlasten und sozialen Unterschieden entgegenwirken".

