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Computerspiele:Macht mehr Zocken glücklich?

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In der Corona-Pandemie sind Video- und Computerspiele gefragt wie noch nie.

(Foto: Josep Rovirosa/imago images/Westend61)

Forscher haben untersucht, ob es Menschen schlechter geht, wenn sie besonders viel Zeit mit Computerspielen verbringen. Eines steht fest: Man darf sich nicht auf die Angaben der Spieler verlassen.

Von Peter Strigl

Mehr als 3,7 Milliarden Menschen weltweit zocken, das heißt, sie spielen Videospiele auf dem PC, einer Konsole oder dem Smartphone. Und seit die Menschen wegen der Corona-Pandemie mehr Zeit zu Hause verbringen, ist die Zahl der Zocker, aber auch die Zeit, die sie vor dem Bildschirm verbringen, noch einmal deutlich gestiegen. Aber ist es denn gut für das eigene Wohlbefinden, wenn man in seiner Freizeit viele Stunden in der virtuellen Spielewelt verbringt?

Darüber herrscht in der Wissenschaft seit Jahrzehnten Uneinigkeit. Eine Meta-Studie kam kürzlich zu dem Ergebnis, der Forschungsstand befinde sich irgendwo zwischen "die Mediennutzung hat eine Generation zerstört" und denjenigen, die solche Aussagen als "Technologie-Panik" abtun.

Eine Forschergruppe vom Oxford Internet Institute will jetzt mit einer einer neuen Studie einen Beitrag zur Frage liefern, ob es Menschen schlechter geht, wenn sie viele Stunden pro Tag mit Computerspielen verbringen. Dafür haben drei Wissenschaftler des Instituts, das zur Universität Oxford gehört, das Wohlbefinden von Gamern im Verhältnis zu deren Spielzeit untersucht.

Die Forscher erfragten die Stimmung bei 3227 Spielern zweier populärer Games, "Plants versus Zombies: Battle for Neighborville" und "Animal Crossing: New Horizons", anhand verschiedener positiver und negativer Emotionen. Die Teilnehmer konnten auf einer Skala angeben, wie oft sie diese innerhalb des Studienzeitraums von zwei Wochen empfunden hatten. Anschließend wurden die Antworten mit der Spielzeit im selben Zeitraum abgeglichen.

Das Ergebnis: Spieler, die mehr Zeit in der virtuellen Welt zugebracht hatten, waren laut Selbstbericht im Schnitt zufriedener als Spieler, die seltener online waren.

Um die Daten zu erheben, arbeiteten die Forscher mit den Spieleherstellern Electronic Arts und Nintendo zusammen. "Was die Studie einzigartig macht, ist, dass wir uns nicht darauf verlassen, was die Leute sagen", erklärt Studienautor Niklas Johannes. Die Firmen konnten die Spieldauer via Telemetrie direkt erfassen. An vielen vergangenen Studien sei dagegen problematisch, dass sie sich ausschließlich auf die Selbsteinschätzung der Studienteilnehmer zur Spielzeit verlassen haben. Diese weicht oft erheblich von den tatsächlichen Zeiten ab. In dieser Methodik sehen die Wissenschaftler aus Oxford einen der Gründe, weshalb in nahezu 30 Jahren kaum valide Studien zu Videospielen erschienen seien. Schon allein deswegen sei ihre Arbeit ein Fortschritt, sagt Studienautor Johannes.

Auch in der Untersuchung aus Oxford wurde die subjektive mit der gemessenen Bildschirmzeit verglichen, dabei ergab sich eine durchschnittliche Abweichung von einer halben beziehungsweise anderthalb Stunden für die beiden Spiele, gemessen auf den Gesamtzeitraum von zwei Wochen.

Doch was kann man aus den Ergebnissen tatsächlich ableiten? Die Studie zeigt nur eine Korrelation auf - keinen kausalen Zusammenhang. Ganz banal ausgedrückt: Man kann nicht sagen, ob Spielen die Leute zufriedener macht oder ob zufriedenere Leute eher spielen. Dass Videospiele glücklich machen, lässt sich daraus also nicht ableiten. Dafür sind die festgestellten Veränderungen des Befindens auch viel zu klein - tatsächlich sogar weit unter dem, was subjektiv wahrgenommen werden kann.

Basierend auf diesen Daten müsste man täglich zwischen dreieinhalb und sechs Stunden spielen, um eine signifikante Verbesserung festzustellen. Ob man sich da wirklich noch so gut fühlen würde? "Wir haben nur einen linearen Zusammenhang untersucht", stellt Johannes klar. Ob und wann der Ertrag stagniert, und welche Gründe das hat, gibt die Studie nicht her.

© SZ/cku
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